Kunst beleuchtet Phänomen Fußgängerzone
Das Skelett einer Schlange baut der chinesische Künstler Huang Yong Ping unter dem Namen „Cage“ (Käfig) auf eine Wiesenfläche im Pader-Quellgebiet in Paderborn. Kurator Prof. Dr. Florian Matzner (Bild) ist zuversichtlich, dass die Skulptur noch zum ersten Ausstellungswochenende fertig wird.

Bis zum 7. September befassen sich zwölf Projekte von Künstlern und Kollektiven aus dem In- und Ausland im öffentlichen Raum Paderborns mit den sozialen, städtebaulichen und psychologischen Aspekten dieser urbanen Erscheinung. „Sie liefern keine fertigen Antworten“, betont Kurator Prof. Dr. Florian Matzner, „sondern sie werfen Fragen auf.“ Fragen, die die Passanten und Betrachter irritieren, zum Nachdenken und Reden bringen sollen. Was wollen die Menschen in der Innenstadt? Was passiert dort? Wem gehört der öffentliche Raum? Wo schlägt das Herz der Stadt? „Die Künstler“, sagt Kulturdezernent Carsten Venherm, „legen den Finger in die Wunde.“ Die Wunde im Stadtbild.

Blattgold zwischen Baustellen-Absperrungen

So treiben Clea Stracke und Verena Seibt das Aufhübschen der City ironisch auf die Spitze, wenn sie umgeben von Baustellen-Absperrungen Abschnitte des Pflasters in akribischer Feinarbeit mit Blattgold überziehen. Weniger edle Materialien benutzt Markus Ambach: Für seine Skulptur „White Elephant“ trägt er Werbetafeln, Verkehrszeichen und Müllbehälter zusammen.

Nach „Irdische Macht und himmlische Mächte“ im Jahr 2007 ist „Phänomen Fußgängerzone“ bereits der zweite „Tatort Paderborn“. Eröffnet wird das rund 100-tägige Ereignis am Donnerstag, 29. Mai, um 15 Uhr am Jühenplatz (bei schlechtem Wetter in der Städtischen Galerie am Abdinghof).

Schlangenskelett symbolisiert Verschwendung

Wohl mit ein, zwei Tagen Verspätung wird die Skulptur „Cage“ des gebürtigen Chinesen Huang Yong Ping fertiggestellt sein. Die riesige, Käfig-artige Nachbildung eines Schlangen-Skeletts befindet sich unweit einer Marien-Säule in der Einkaufsmeile, auf der die betende Gottesmutter eine Schlange zertritt. Das Reptil steht in der christlichen Symbolik für Verführung, in der fernöstlichen für Verschwendung – beide Unsitten treffen sich im Konsum.

Den Blick heben muss, wer Silke Wagners aus bunten Neonröhren geformten Pfau an der Fassade des Theodorianums entdecken will. Münzeinwurf bringt das Sinnbild der Eitelkeit kurzzeitig zum Leuchten – eine niedlich-bissige Anspielung auf die Reizüberflutung durch Leuchtreklame.

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