Kunstschätze bleiben im Land
Auch die Skulptur „Stein Denkmal“ (1961/1969) von Henry Moore (1898 - 1986) aus dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster gehört zu den Kunstschätzen, die das Land NRW jetzt erworben hat.

Damit wird ein Verlust der Werke von mittelalterlichen Altartafeln bis zu zeitgenössischer Kunst für das Land abgewendet. Der von Portigon ursprünglich geplante freie Verkauf der Kunst des landeseigenen Unternehmens hatte bundesweit einen Proteststurm ausgelöst.

Auch die auf fünf Millionen Euro geschätzte Stradivari „Lady Inchiquin“, die der Stargeiger Frank Peter Zimmermann gespielt hatte, wird nun vom Land angekauft und ihm wieder zur Verfügung gestellt. Insgesamt seien knapp 300 von knapp 400 Kunstwerken mit Hilfe eines Darlehens der landeseigenen Förderbank NRW.Bank erworben worden, sagte Kulturministerin Christina Kampmann (SPD). Die Kunst wird in eine Landesstiftung überführt, die die Werke in den nächsten zehn Wochen an Museen in ganz NRW verteilen soll.

Wertvollste Werke in Münster zu sehen

Zu der einstigen WestLB-Sammlung gehören heute millionenteure Arbeiten von August Macke, Paul Signac, Günther Uecker, Henry Moore, sowie auch zwei Bänke von Eduardo Chillida in Münster. Die wertvollsten Werke sind zwei auf sechs Millionen Euro geschätzte Altartafeln von Giovanni di Paolo aus dem 15. Jahrhundert. Sie hängen als Leihgabe im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.

Sechs Kunstwerke, darunter die Altartafeln, sowie die Stradivari werden außerdem in das Verzeichnis national wertvollen Kulturguts eingetragen. Damit dürfen sie nicht mehr ins Ausland verkauft werden.

Allerdings wurden zwei kapitale Werke aus dem Tresorraum von Portigon gestohlen. So fehlen elf „Stier“-Lithografien von Pablo Picasso (Versicherungswert 400.000 Euro) sowie ein Bild der Expressionistin Gabriele Münter (600.000 Euro). Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen eingestellt.

Portigon musste die Kunst sowie drei Streichinstrumente im Zuge der Abwicklung der zerschlagenen WestLB veräußern. Zwei Instrumente und rund 100 nicht vom Land angekaufte Kunstwerke sollen nach Angaben von Portigon-Vorstandschef Peter Stemper teilweise über Auktionen verkauft werden.

FDP kritisiert Zinszahlungen aus Kulturfördermitteln

Die jährlich rund 260.000 Euro Zinsen für den tilgungsfreien 30-Millionen-Kredit sollen nach Angaben von Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) aus dem Kulturhaushalt bezahlt werden. Die erhofften privaten Zustifter hätten sich bislang nicht gefunden. Die Landes-FDP kritisierte, dass die Zinszahlungen aus den ohnehin knappen Kulturfördermitteln bestritten würden.

Als Konsequenz aus dem umstrittenen Verkauf von zwei Warhol-Bildern durch den landeseigenen Casino-Betreiber Westspiel im Jahr 2014 soll nun ein Kodex zum Umgang mit Kunst im Landesbesitz in NRW erarbeitet werden. Die Chefin der Kunstsammlung NRW, Marion Ackermann, sagte, mit der Selbstverpflichtung sollten Unternehmen aufgefordert werden, ihren Kunstbesitz zu erhalten und zu dokumentieren. „Es muss Transparenz geben.“ Bei Verkaufsplänen solle das Land ein Vorkaufsrecht bekommen.

SOCIAL BOOKMARKS