Landesmuseum bewältigt Mammutaufgabe
Bild: Zinke
Das „Paradies“ hinterm Baugerüst: Kuratorin Dr. Tanja Pirsig-Marshall, Restauratorin Brigitta Hofer und Direktor Dr. Hermann Arnhold (v. l.) zeigen, wie im Landesmuseum Münster das Wandgemälde von Franz Marc und August Macke restauriert wird.
Bild: Zinke

„Wir haben momentan mehr zu tun als je zuvor.“ 50 Sammlungsräume gestalten, Programme erarbeiten, Werke restaurieren, Umzug und Eröffnung vorbereiten: Bis das Landesmuseum Münster 2014 nach Um- und Neubau wieder seine Tore öffnet, sind die 80 Mitarbeiter komplett eingespannt. Eine weitere Mammutaufgabe ist die Digitalisierung aller Werke – denn das sind mehr als 200.000.

Digitalisierung ermöglicht Forschung ohne Original

Aktuell ist die Sammlung August Macke an der Reihe. Wertvolle Skizzenbücher, mehr als 100 Jahre alt, würden beim normalen Durchblättern schnell zerfallen. Nun liest ein Hochleistungsscanner Seite für Seite ein (Bild links). „Ein Fotograf müsste die empfindlichen Bände ganz aufklappen, für den Scanner reicht ein Winkel von 90 Grad“, erklärt Elmar Lutz von der Kölner Lup AG, die mit dieser Form der Digitalisierung Aufnahmen erstellt, die sich verlustfrei bis zu siebenfach vergrößern lassen. Feinster Bleistift- und Kohlenstaub ist so erkennbar. „Viel Forschung ist dann ohne das Original möglich“, sagt Lutz. Weshalb auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt unterstützt. „Die ersten digitalisierten Teile der Sammlung werden Anfang kommenden Jahres ins Internet gestellt“, so Arnhold. Hohe Auflösungen bekommt aber nur, wer sich wissenschaftlich mit der Kunst beschäftigt.

„Paradies“ muss restauriert werden

Bevor das großformatige Wandbild „Adam und Eva im Paradies“, ein Gemeinschaftswerk von August Macke und Franz Marc aus dem Jahr 1912, beim virtuellen Museumsbesuch zu sehen sein wird, wird es restauriert. Und zwar nicht in der Werkstatt, sondern direkt an seinem Platz im Museumsaltbau.

„Das Fresko ist auf Putz gemalt. Und der ist so starr, dass die Farbschichten beim Transport abplatzen würden“, sagt Restauratorin Brigitta Hofer. Es von der Wand in Mackes Atelier in Bonn zu lösen, sei bereits mehr als genug gewesen für die Malerei. Nun pinselt Brigitta Hofer überall dort, wo sich Hohlräume gebildet haben, winzige Mengen Klebstoff zwischen Putz und Farbe und drückt sie wieder fest. „Retuschieren werden wir nur dort, wo Schäden den Betrachter stören.“

SOCIAL BOOKMARKS