Landwirtschaftskammer setzt auf Münster
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In den Startlöchern für einen Umzug steht die Landwirtschaftskammer NRW. Aufgrund klammer Kassen will sie ihren Hauptstandort Bonn aufgeben. Alleiniger Sitz soll Münster werden.
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Mit dem Konzept, das der Hauptausschuss der Landwirtschaftskammer gestern in Bonn beschlossen hat, sinkt die Zahl der Stellen von 1267 auf 1217. Durch weitere Einsparung von Personal und Sachkosten erwartet die Kammer eine weitere Kostenreduzierung um 5,7 Millionen Euro.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Hart trifft es den Standort Bonn-Roleber, in dem derzeit Teile der bisherigen Kammerzentrale untergebracht sind. Der Sitz soll aufgegeben werden. Derzeit gibt es dort 248 Stellen. Durch normale Fluktuation sinkt die Beschäftigtenzahl dort bis 2015 auf 200 Stellen, die nach Köln, Münster und Bad Sassendorf verlagert werden. „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, erklärte Kammersprecher Bernhard Rüb auf Anfrage der „Glocke“.

In Münster sollen nach den Plänen der Landwirtschaftskammer in Zukunft die fünf Bereiche Zentrale Dienste, EG-Zahlstelle und Förderung, Berufsbildung, Betriebsentwicklung und Beratung sowie die landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) NRW angesiedelt sein. Münster bleibe auch Sitz der Tierseuchenkasse NRW, kündigte die Kammer an. Der Geschäftsbereich Tier habe seinen Sitz künftig im Haus Düsse in Bad Sassendorf, die Bereiche Pflanze und Standortentwicklung und ländlicher Raum sollen nach Köln verlegt werden.

Man habe alle Möglichkeiten der Einsparungen durchgerechnet, sagte Kammersprecher Uwe Spangenberg. Bei der Konzentration auf die drei Standorte Münster, Köln und Sassendorf mit dem Wegfall der Zentrale in Bonn habe es das größte Einsparpotenzial gegeben. Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) muss den Haushalt und das neue Konzept der Kammer noch genehmigen. „Eine Zustimmung wird es bis zu einer Neuwahl in NRW nicht geben“, sagte ein Sprecher des NRW-Umweltministeriums in Düsseldorf auf Anfrage. Die Kammer hingegen würde am liebsten noch in diesem Jahr umziehen.

Hintergrund der Finanzlücke sind unter anderem Unstimmigkeiten mit dem Land. So übernimmt die Kammer hoheitliche Aufgaben für das Land, etwa die Ausbildung von Landwirten und die Durchführung und Kontrolle der EU-Agrarreform. Diese Ausgaben werden über Pauschalen abgerechnet, die aus dem Jahr 2006 stammen. Der Versuch der Kammer, die Sätze wegen gestiegener Ausgaben für Personal und Sachmittel anzupassen, ist gescheitert.

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