Lebensgefährte entlastet Herzchirurgin
Vor dem Landgericht Münster ist gestern der Prozess um den Rufmord-Skandal an der Uniklinik Münster fortgesetzt worden.

Darin war dem Uniklinikum unter anderem vorgeworfen worden, selbst verschuldete Todesfälle unter den Teppich zu kehren. „Mir ging es darum, weitere Todesfälle zu verhindern“, erklärte der Mann. Er habe allein gehandelt. Ausdrücklich widersprach der Angeklagte dem Verdacht, dass die Herzchirurgin selbst an der Erstellung der Schreiben beteiligt gewesen sein könnte: „Sie hätte das nie mitgetragen. Um sie zu schützen, ging ich anonym vor.“ Die 51-jährige Medizinerin hat sich selbst bisher nicht zu den Vorwürfen eingelassen.

Staatsanwaltschaft: „Medizinische Details geschildert“

Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklagevorwürfe gegen die Chirurgin vor allem auf den Umstand, dass in den Briefen und Strafanzeigen zahlreiche medizinische Details geschildert werden. Ein Laie hätte solche Sachverhalte nicht allein darstellen können. Außerdem hatte die Herzchirurgin nach Ansicht der Staatsanwaltschaft durchaus ein Motiv das Uniklinikum in Misskredit zu bringen. Ihr war erst kurz vor dem Auftauchen der ersten Schreiben nach nur wenigen Monaten Dienstzeit fristlos gekündigt worden.

Lebensgefährte wollte angeblich Unheil verhindern

Vor allem die Briefe an Angehörige verstorbener Patienten seien schwere Fehler gewesen, heißt es in der Erklärung des 56-Jährigen. „Ich weiß, dass mein Vorgehen unangemessen war. Ich muss sehr deutlich erkennen, dass ich Angehörige in ihren Gefühlen verletzt habe.“ Als medizinischer und rechtlicher Laie habe er sich seinerzeit aber nicht vorstellen können, etwas Unrechtes zu tun. Er habe sich berufen gefühlt, weiteres Unheil zu verhindern. Tatsächlich konnte bislang keiner der Vorwürfe gegen das Klinikum bewiesen werden.

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