Letzte Zuflucht für Frauen in Not
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Wenn es keinen Ausweg mehr gibt, suchen Frauen, die von körperlicher, psychischer oder sexualisierter Gewalt betroffen sind, das Frauenhaus auf. Die Plätze in den Frauenhäusern der Region sind knapp, es fehlen die finanziellen Mittel für einen Ausbau.
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In diesem Jahr feiert die Einrichtung ihren 40. Geburtstag. Sie ist damit eine der ältesten ihrer Art in Deutschland überhaupt.

„Wir nehmen Frauen auf, die Gewalt erfahren haben, sei es körperlich, psychisch oder sexualisiert“, sagt Mitarbeiterin Beatrice Tappmeier. Elf Frauen wohnen in dem Haus, dessen Adresse geheim ist. Alle Plätze sind belegt. Jede Frau hat ein eigenes Zimmer, in dem im Bedarfsfall auch ihre Kinder leben.

Alya zieht vor einigen Wochen ein. Nach ihrem Anruf wird sofort ein Treffpunkt vereinbart, an dem die junge Afghanin abgeholt wird. In ihrem neuen Zimmer stehen einige Dinge des täglichen Bedarfs bereit, bald darauf gibt es das Aufnahmegespräch.

Einrichtung vermittelt bei Bedarf Kontakt zu Ärzten

„Wir klären zunächst organisatorische Dinge, etwa ob die Frau krank ist oder Schulden hat. Dann sprechen wir über ihre Gefahrensituation, wird sie bedroht?“, sagt Tappmeier. Wenn es die Frau möchte, werden auch ihre Gewalterfahrungen thematisiert.

So missachtet Alyas Ehemann sie, seit sie vor einem halben Jahr zu ihm nach Deutschland kam. Alya ist allein, hat außer ihrem Mann keine Kontakte. Als sie schwanger wird, gibt er ihr weder Hilfe noch Geld, die Versorgung des Babys zu regeln. Sie ist abhängig von ihm.

Alya sieht daher keinen Ausweg mehr, und geht hochschwanger ins Frauenhaus. „Ich bekomme mit, wie traurig und alleine Alya ist. Ihr Mann handelt unverantwortlich ihr und dem ungeborenen Kind gegenüber“, sagt Tappmeier (54), die eine von den insgesamt vier Frauenhaus-Mitarbeiterinnen ist, die sich 2,5 Stellen teilen.

„Wir nehmen für Alya Kontakt zu Ärzten auf und organisieren eine Hebamme. Außerdem richten wir ihr Zimmer für das Baby ein“, berichtet Tappmeier. Was vor der Schwangerschaft geschah und was später sein wird - so hat Alya nur einen über ihren Ehemann abgeleiteten Aufenthaltsstatus in Deutschland - , sei im Moment nicht akut.

Drei Monate bleiben die Frauen im Durchschnitt

„So arbeitet das Frauenhaus, es geht um das Vordergründigste der Frau, in dem Fall, ein Kind zur Welt zu bringen“, sagt Tappmeier. Im Schnitt bleiben die Bewohnerinnen drei Monate in dem Frauenhaus. Ihr weiterer Lebensweg entwickelt sich sehr unterschiedlich. „Einige verlassen die Stadt, andere nur die Wohnung des Partners. Einige kehren auch zurück zu ihren Partnern, weil sie hoffen, dass sich diese ändern. Wir greifen die Ideen auf und entwerfen Bilder, wie es weiter gehen kann“, sagt Tappmeier.

Die Zukunft von Alya ist offen. „Denkbar ist eine Mutter-Kind-Einrichtung, in denen die Frauen parallel zur Kinderbetreuung eine Ausbildung absolvieren. Wir wollen mit Alya eine Perspektive entwickeln und werden versuchen, etwas zu vermitteln. Unser Vorteil ist, dass wir ein Netzwerk haben“, sagt Tappmeier. Eine Stelle für die Nachbetreuung der Frauen gibt es nicht. Dafür fehlen die Gelder.

Frauenhäuser haben selten freie Plätze zur Verfügung

Der Bedarf an Frauenhäusern ist in Westfalen enorm. Auf einer Karte im Internet ist zu sehen, ob die Frauenhäuser in der Region wie in Gütersloh, Warendorf und Münster freie Plätze haben. Überwiegend sind die Einrichtungen voll belegt.

„Es gibt zu wenige Plätze. Das ist ein riesiges Problem. Den Häusern fehlen die finanziellen Mittel“, sagt Beatrice Tappmeier vom Autonomen Frauenhaus in Bielefeld. Beinahe täglich muss sie Frauen abweisen, weil alle Zimmer belegt sind. „In dem Fall vermitteln wir weiter an andere Häuser in der Region, aber auch da sind nicht immer Plätze vorhanden“, sagt Tappmeier.

Wunsch nach sicherer Finanzierung

Bleiben noch Notschlafplätze, in denen die Frauen drei Nächte bleiben können. Die meisten Frauenhäuser in NRW bekommen eine Basisförderung vom Land, den restlichen Teil der Finanzierung übernehmen häufig die Kommunen. Auch Spenden fließen ins Budget ein.

„Wir wünschen uns eine sichere Finanzierung von Land oder Bund“, sagt Tappmeier. Denn aktuell ist es so, dass die Frauenhäuer auf einer Projektbasis gefördert werden. Das heißt, sie müssen sich – wie das Autonome Frauenhaus in Bielefeld – alle drei Jahre erneut um Mittel bewerben.

„Sinnvoller wäre es, wenn die Frauenhäuser wie Schulen oder Krankenhäuser dauerhaft finanziert werden.“ Die Frauen selbst zahlen ihren Aufenthalt über Tagessätze, die im Falle von Arbeitslosigkeit vom Jobcenter übernommen werden. Berechnet werden lediglich Strom- und Wasserverbrauch.

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