Lippe prüft Bürger-Befragung zum Nationalpark
Ob der Teutoburger Wald in Lippe zum Nationalpark werden soll, ist umstritten. Der Kreistag berät demnächst, ob die Bürger in Lippe zu dem geplanten Projekt befragt werden sollen.

Einen entsprechenden Antrag wollen die Fraktionen am kommenden Montag in den Kreisausschuss einbringen. Ob er angenommen wird, entscheidet sich dann eine Woche später in der Kreistagssitzung.

„Im Sinne einer breiten Bürgerbeteiligung wollen wir den Landrat beauftragen, die Möglichkeit einer Bürgerbefragung zu prüfen“, erläutern die Fraktionschefs Dr. Lucas Heumann (CDU), Werner Loke (Grüne) und Hans Brinkmann (Freie Wähler) in einer Pressemitteilung. Sie wollen ein korrektes und seriöses Verfahren der Befragung sicherstellen, das auch alle rechtlichen Aspekte berücksichtigt. Dies sei notwendig, weil beispielsweise die Umsetzung des Nationalparks Sache des Landes Nordrhein-Westfalen und nicht des Kreises Lippe sei, heißt es weiter.

Wie Landrat Friedel Heuwinkel im Gespräch mit der „Glocke“ sagte, müsse vor einer Bürger-Befragung feststehen, welche Gebietkulisse genau für den geplanten Nationalpark Lippe zur Verfügung stehe. Zurzeit gebe es Verhandlungen über den Tausch bestimmter Flächen. Erst wenn ein Ergebnis vorliege, könnten die Bürger befragt werden. Nach Heuwinkels Einschätzung ist das noch vor den Sommerferien möglich.

Diskussion nimmt an Schärfe zu

Hintergrund der erwogenen Bürgerbefragung sind die schärfer werdende Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern eines lippischen Nationalparks. Die Gegner behaupten, die Mehrheit der Lipper seien gegen das Projekt. Im Gegensatz dazu ergab eine repräsentative Umfrage der Befürworter, dass eine Mehrheit der Menschen in Ostwestfalen-Lippe hinter den Nationalpark-Plänen steht.

Vom Kreis Lippe und den Naturschutzverbänden werden stets die Chancen für die Region dargestellt. Ein Nationalpark sei eine zugkräftige Marke für die Region und fördere die touristische Entwicklung, heißt es. So soll eine positive Regionalentwicklung im Bereich des Tourismus eingeleitet werden. Die Befürworter gehen von einem steigenden Freizeit-, Erlebnis- und Erholungswert in Nationalparkregionen aus, der sich langfristig in höheren Erlösen aus dem Tourismus und damit verflochtenen Wirtschaftsbereichen der Region widerspiegeln würde.

Anderer Meinung sind Waldbauern, Waldbesitzer (insbesondere Prinz zur Lippe), die örtliche Holzindustrie, die Bürgerinitiative „Unser Teutoburger Wald“ sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe. Sie bestreiten den touristischen Zugewinn und befürchten stattdessen Arbeitsplatzverluste. 

So kam die IHK im vergangenen Jahr bei einer Befragung von Mitgliedsunternehmen zu dem Ergebnis, dass die Ausweisung eines Nationalparks und die dadurch bedingte Verknappung von Holz rund 3000 Arbeitsplätze in der örtlichen Holz- und Sägeindustrie gefährden würde. 

Landrat will weiter für Nationalpark werben

Landrat Friedel Heuwinkel bewertet die Chancen eines Nationalparks höher als die Risiken und will in den nächsten Wochen und Monaten weitere Überzeugungsarbeit leisten. Auch wenn das Ergebnis einer Bürgerbefragung zu dem Thema wegen der Zuständigkeit des Landes nicht bindend wäre, ist sie für den Landrat von essentieller Bedeutung: „Würde sich eine Mehrheit der Bürger gegen einen Nationalpark im Kreis Lippe aussprechen, wäre das Thema für mich vom Tisch.“   

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