Lügde: Andreas V. vorerst verhandlungsunfähig
Bild: dpa
Der Prozess um den hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde kommt ins Stocken: Der Angeklagte Andreas V. (56) ist nach Angaben eines Gerichtssprechers ernsthaft erkrankt und vorläufig verhandlungsunfähig.
Bild: dpa

„Der Hauptangeklagte ist derzeit nicht verhandlungsfähig“, sagte Dr. Wolfram Wormuth, Pressesprecher des Landgerichts auf „Glocke“-Nachfrage. Er könne zwar aus persönlichkeitsrechtlichen Gründe keine Angaben zur genauen Art der Erkrankung machen, betonte aber, dass es sich nicht nur im eine Magenverstimmung handle.

„Es ist schon etwas Ernsthaftes“

Der Verteidiger von Andreas V., Johannes Salmen von der Kanzlei Lage, wollte sich auf Nachfrage der „Glocke“ bislang nicht zu dieser Entwicklung äußern. „Es ist schon etwas Ernsthaftes“, sagte dagegen Dr. Wolfram Wormuth. Dennoch seien er und die Vorsitzende Richterin Anke Grudda sich sicher, dass eine baldige Genesung in Sicht sei.

Der für Donnerstag vorgesehene Termin mit den beiden Angeklagten Andreas V. und Mario S. wird daher laut dem Gericht mit „entsprechend reduziertem Beweisprogramm“ vonstatten gehen. Der Hauptverhandlungstermin, der für den 9. August angesetzt war, fällt dagegen erst einmal aus. Die weiteren anberaumten Verhandlungstermine (15., 16 und 30. August) bleiben dagegen zunächst bestehen.

Frist von drei Wochen Pause darf nicht überschritten werden

Da ein Prozess aber nicht länger als drei Wochen pausieren darf und bereits wie geplant zwei Wochen lang nicht weiterverhandelt wurde, gibt es nun einen Zusatztermin am Freitag, 2. August, ab 10 Uhr. „Würden wir die Frist von drei Wochen überschreiten, müsste der Prozess komplett von vorn beginnen“, argumentierte Dr. Wormuth.

„Das scheint auch nicht das Interesse des Angeklagten und seiner Verteidigung zu sein“, führte der Pressesprecher weiter aus. Laut Auskunft der Verteidigung werde Andreas V. am Freitag zumindest für kurze Zeit den Sitzungssaal betreten. „Das wird aber eine Proforma-Verhandlung, vielleicht 15 Minuten lang“, sagte Dr. Wormuth.

Andreas V. ist der Hauptangeklagte im Fall Lügde. Ihm und dem ebenfalls Angeklagten Mario S. wird vorgeworfen, auf einem Campingplatz in Lügde über mehrere Jahre hinweg Jungen und Mädchen hundertfach teils schwer sexuell missbraucht zu haben. Einige Taten sollen sie sogar gefilmt haben.

SOCIAL BOOKMARKS