Mehr Frauen lernen für das Grüne Abitur
Bild: dpa

Auf einem Schießstand in Coesfeld übt die angehende Jägerin Katharina von Bargen das Zielen auf Tontauben. Immer mehr Frauen wollen Jägerin werden. Mittlerweile liegt der Anteil der weiblichen Jagdschüler bei 20 Prozent, meldet der Deutsche Jagdschutzverband – so hoch wie nie zuvor.

Bild: dpa

Katharina von Bargen hat eben noch mit einer Schrotflinte auf Tontauben geschossen, jetzt erzählt die 25-Jährige vom ausgestopften Fuchs ihres Großvaters. Ihre Füße stecken in Wanderstiefeln, eine schwarze Lederhandtasche liegt neben ihr auf dem Rücksitz des Autos. Von Bargens Jagdlehrer Ol Holler fährt seine Schülerin zurück nach Münster. Im April wird sie ihren Jagdschein machen, das so genannte Grüne Abitur – wie immer mehr Frauen in Deutschland.

Katharina von Bargens Neugierde weckte ihr Großvater und der tote Fuchs. „Der hatte so ein weiches Fell“, erinnert sie sich. Ihr Großvater sei Jäger gewesen. Als kleines Mädchen habe sie seine Jagdtrophäen bewundert – und gerne seine Geschichten gehört.

Tiere, Brauchtum und Jagdbetrieb auf dem Lehrplan

Heute macht von Bargen ihren Doktor in Lebensmittelchemie an der Uni Münster. Mit ihrem Mann besucht sie seit Januar die Jagdschule Waldfee. Zweimal pro Woche hat die 25-Jährige Unterricht: wildlebende Tiere, Jagdbetrieb, Brauchtum und Hege,

1400 Schüler haben sich in Nordrhein-Westfalen für die diesjährige Jagdprüfung im April angemeldet. Mittlerweile liegt der Anteil der weiblichen Jagdschüler bei 20 Prozent – so hoch wie nie zuvor. Die Jagdschüler werden auch immer jünger. Das hat der Deutsche Jagdschutzverband im Januar in einer Umfrage herausgefunden. Frauen kommen häufig über ihren Hund zum Jagen, glaubt der Verband. (dpa)

Waffenkunde. Am Wochenende fährt sie auf den Schießstand. Heute sind die Tontauben dran. Konzentriert richtet von Bargen die geladene Unterrichtsflinte auf einen verwitterten Hochstand. „Pull“, sagt sie. Eine zinnoberrote Scheibe saust durch die Luft. Von Bargen dreht die Waffe mit, immer aufs Ziel gerichtet. Sie schießt. Die Scheibe fliegt ohne einen Kratzer weiter. „Ein kleines bisschen weniger vorschwingen“, kommentiert Lehrer Holler. Die 25-Jährige nickt, versucht es noch einmal.

In wenigen Wochen muss sie der Prüfungskommission beweisen, dass sie mit einer Waffe umgehen kann. Davor wird sie eine schriftliche und eine mündliche Prüfung ablegen. Dann muss sie wissen, wie schwer ein erwachsener Hase ist, wie ein Jäger Tollwut verhindert und was Randfeuerpatronen sind.

Teures Hobby

Von Bargen zählt zu den jüngeren Jagdschülern. Die meisten sind deutlich älter – denn Jagen ist ein teures Hobby. Knapp 1000 Euro zahlt von Bargen für den Kurs. Die Prüfung kostet noch einmal 250 Euro, der Jagdschein für ein Jahr 80 Euro. Wenn von Bargen die Prüfung bestanden hat, wird sie sich eine Waffe kaufen, Schießstandgebühren zahlen, vielleicht irgendwann ein Stück Wald pachten. Sie findet, die Ausgaben lohnen sich.

„Jagen ist eine schöne Gelegenheit, die Natur anders zu erleben“, sagt sie. In der Jagdschule hat sie zum Beispiel gelernt, Vogelarten zu erkennen. Ihr Lehrer bringt ihr auch bei, wie man ein Tier ausweidet – allerdings nur in der Theorie. Bisher hat sie noch kein Tier getötet. „Wie es ist, weiß man erst, wenn man es gemacht hat“, sagt von Bargen.

SOCIAL BOOKMARKS