Middelhoff tritt Job in Behindertenwerkstatt an

Der ehemalige Topmanager Thomas Middelhoff hat am Montag seine neue Stelle in der Bodelschwinghschen Stiftung Bethel in Bielefeld angetreten.

Middelhoff fuhr am Montagmorgen gegen 8.48 Uhr als Beifahrer in einem roten Mini-Cabriolet vor. Die anwesenden Journalisten beschied der in früheren Tagen sehr joviale und redegewandte Ex-Manager knapp: „Ich sage nichts.“

Tische decken

In der Einrichtung der Bodelschwinghschen Stiftung Bethel wird der frühere Bertelsmann-Vorsitzende und Ex-Arcandor-Chef als Assistent den Fachkräften zur Hand gehen: "Tisch decken, abdecken, aufräumen, Dinge von A nach B tragen", beschrieb Martin Henke, Geschäftsführer der Bethelschen Rehabilitations-Werkstätten "Pro Werk" Middelhoffs Aufgaben-Bereich. 160 Menschen mit Behinderung und etwa 40 weitere Mitarbeiter arbeiten unter dem Dach der Einrichtung „Am Bullerbach“ im Bielefelder Ortsteil Eckardtsheim.

Wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt

Middelhoff, der 2014 vom Landgericht Essen wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt wurde und die Strafe in Kürze antreten soll, hatte nach Angaben der Stiftung selbst in Bethel wegen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung angefragt. "Ein solches Anstellungsverhältnis würde ihm unter Umständen den Haftvollzug als Freigänger ermöglichen", erklärte die Stiftung.

Als „Big T“ verdiente er Millionen

Middelhoff war von 1998 bis 2002 Vorstandsvorsitzender des Medienkonzerns Bertelsmann, von 2004 bis 2009 von Arcandor. Damals verdiente „Big T“ viele Millionen Euro im Jahr. Als Hilfskraft erhält er 1785 Euro brutto. Die Höhe des Lohns spielt für Middelhoff ohnehin keine Rolle. Das Geld geht direkt an den Insolvenzverwalter, wie sein Rechtsanwalt Hartmut Fromm erläutert. Denn Middelhoff hatte vor gut einem Jahr Privatinsolvenz anmelden müssen. Seine Gläubiger machen Millionenforderungen gegen ihn geltend.

Während die Arbeit in Bethel eine neue Erfahrung für den Manager sein dürfte, hat er mit dem Aufenthalt im Gefängnis schon während seiner fünfmonatigen Untersuchungshaft Bekanntschaft gemacht. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung im November 2014 war Middelhoff noch im Gerichtssaal wegen Fluchtgefahr verhaftet worden. Die danach folgende Haft in der Justizvollzugsanstalt Essen nahm den den Manager sichtlich mit. Die Justiz sah in den ersten Haftwochen sogar Selbstmordgefahr. Nach Angaben seiner Anwälte erkrankte der Manager in dieser Zeit an einer Autoimmun-Krankheit, die ihn heute noch quält. Die Anwälte zweifeln deshalb sogar an seiner Haftfähigkeit.

Middelhoff soll nach Angaben Fromms seine Haft am 6. Mai antreten, wenn die Einwendungen seiner Anwälte nicht zu einem Aufschub in letzter Minute führen. Im günstigsten Fall - bei Anwendung der Halbstrafenregelung - wird Middelhoff nach Angaben aus Justizkreisen unter Anrechnung der Untersuchungshaft noch gut ein Jahr Haft verbüßen müssen.

Als Freigänger im offenen Vollzug müsste Middelhoff zwar die Nächte in der Haftanstalt verbringen, könnte tagsüber aber in Bethel arbeiten. Und es gäbe für ihn früher oder später auch die Möglichkeit, am Wochenende zumindest hin und wieder Langzeitausgang von Samstagmorgen bis Sonntagabend zu erhalten. 

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