Ministerium bestreitet Vorwürfe der Jäger
Bild: dpa
Die Novellierung des Landesjagdgesetzes in NRW sorgt einmal mehr für Unruhe, nachdem ein Ministeriumsvertretert quasi die Abschaffung der Jagd propagiert hat.
Bild: dpa

 „Die landesjagdgesetzlichen Bestimmungen sollen so stark verändert werden, dass die bisher geübte Bejagung nicht mehr zulässig ist. Im Ergebnis soll die Jagd uninteressant gemacht werden, so dass die Jäger die Lust hieran verlieren.“ Äußerungen, die Dr. Martin Woike, Sprecher der Abteilung Naturschutz im NRW-Umweltministerium, am 16. Januar in Düsseldorf gegenüber Vertretern biologischer Stationen gemacht haben soll. Der Präsident des Landesjagdverbands Nordrhein-Westfalen, Ralph Müller-Schallenberg, hat sich daraufhin am 24. Januar in einem Brief an NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) sowie die Vorsitzenden aller Fraktionen im Landtag gewandt und verlangt eine Aufklärung des Sachverhalts.

„Ich bin mehr als entsetzt. Ich bitte um umgehende Klarstellung, ob die von Dr. Woike geäußerten Positionen auch Ihre sind“, fordert Müller-Schallenberg, zumal die Gesprächsatmosphäre zur Novellierung des Landesjagdgesetzes bisher angeblich sach- und fachgerecht gewesen sein soll. Seit anderthalb Jahren verhandelt ein Runder Tisch aus Politikern, Waldbesitzern, Jagdverbänden, Tier- und Naturschützern sowie Wissenschaftlern über eine Neufassung des Landesjagdgesetzes. Dabei geht es unter anderem um die Zahl der jagdbaren Arten, Jagdzeiten, die Jagd in Schutzgebieten, die Fallenjagd und die Methoden zur Ausbildung von Jagdhunden.

Noch im Sommer 2013 hatte sich der NRW-Minister auf dem Landesjägertag in Münster anerkennend über die Jagd geäußert: „Die Jagd wird nicht abgeschafft“ und „Jäger sollen und müssen weiter jagen und können auch Freude daran haben“. Die Äußerungen von Woike lassen jetzt beim Jagdverband Zweifel an diesen öffentlich getätigten Aussagen des Ministers aufkommen. „Entweder sagt Remmel nicht die Wahrheit oder er hat seinen Laden nicht im Griff“, stellte Ludger Baumeister, Mitglied des Präsidiums im Landesjagdverband am Donnerstag fest. Das Gremium hatte sich am Mittwochabend bei einer Sitzung in Dortmund intensiv mit den Woike-Äußerungen befasst. Und die Jäger fordern jetzt eine klare Stellungnahme: „Wir verlangen, dass noch vor der Kommunalwahl am 25. Mai konkrete Eckpunkte für das neue Landesjagdgesetz vorgelet werden. Wir müssen endlich Klarheit haben“, sagte Baumeister.

Das NRW-Umweltministerium hat am Freitag die massiven Vorwürfe des Landesjagdverbandes gegen den Abteilungsleiter Naturschutz, Dr. Martin Woike, entschieden zurück.  „Diese Anschuldigungen gegen einen leitenden Mitarbeiter des Hauses sind falsch“, teilte Ministeriumssprecher Frank Seidlitz mit. „Der betroffene Mitarbeiter hat eine dienstliche Erklärung vorgelegt, in der er die gegen ihn vom Landesjagdverband erhobenen Vorwürfe abstreitet und dementiert. Diese Einschätzung wurde durch eine weitere Mitarbeiterin des Hauses, die ebenfalls an der Sitzung am 16. Januar teilgenommen hat, bestätigt“, erklärte Seidlitz. das Thema Jagd habe „eine Nebenrolle“ gespielt.

Seidlitz betont, Dr. Woike und der Landesjagdverband hätten im gegenteil in der Vergangenheit konstruktiv und vertrauensvoll zusammengearbeitet. „Daher sind wir über den Inhalt des Briefes und die Art und Weise, wie der Landesjagdverband das Schreiben an die breite Öffentlichkeit lanciert, sehr erstaunt. Wir hätten bei den schwerwiegenden Vorwürfen gegen die Integrität eines Mitarbeiters unserer Hauses erwartet, dass der Betroffene zuvor zumindest die Chance gehabt hätte, auf die Vorwürfe des Landesjagdverbandes im Vorfeld zu reagieren“, so Seidlitz.  Um die Wogen zu glätten, bietet Woike dem Landesjagdverband und dessen Präsident ein klärendes Gespräch an, um die Basis für eine weitere Zusammenarbeit zu schaffen.

SOCIAL BOOKMARKS