Möbel erobern Dächer, Balkone und Terrassen
Der Raum unter dem freien Himmel spielt beim Wohnen eine immer größere Rolle.

„Der Raum unter freiem Himmel spielt für die Deutschen eine immer wichtigere Rolle“, sagt Ursula Geismann, Trend- und Designexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Mehr als 60 Prozent der Wohnungen verfügen über Balkon, Terrasse oder Garten.

Trend zur Natur

Die Hersteller bringen sich angesichts des Trends zur Natur in Stellung. Auf der am Montag beginnenden Internationalen Möbelmesse in Köln (IMM, Publikumstage 19. und 20. Januar) werden wetterfeste Polstermöbel, Außenküchen und praktische Accessoires für das Leben unter freiem Himmel vorgestellt.

Abkehr von überkommenen Mustern

Das Wohnen in den geschlossenen vier Wänden wird von den Kunden jedoch nicht vernachlässigt. Sie kehren nach Ansicht der Trendforscherin überkommenen Wohnmustern zunehmend den Rücken. Als einen Verlierer dieses Trends macht Geismann beispielsweise die klassische Schrankwand im Wohnzimmer aus. Kunden meiden unübersichtliche Schrankfächer und kaufen stattdessen intelligente Funktionsmöbel.

Aus für den Einzelsessel

Ebenso stirbt nach Aussage der Trendexpertin die klassische Sitzgarnitur aus. Statt eines Einzelsessels – typischerweise für den Herrn des Hauses reserviert – und Familiensofa punkte die Wohnlandschaft oder das L-förmige Sofa. Die Sitztradition wird aufgelöst. „Es geht um Bequemlichkeit und Komfort für alle“, ordnet Geismann die Entwicklung ein.

Vorgetäuschter Second-Hand-Charme

Als Fehlentwicklung wertet Geismann den Trend zu Vintage-Möbeln. Die Möbel und Materialien seien meist nicht gebraucht. „Sie werden vor allem in Asien industriell mit vielen billigen Arbeitskräften auf alt getrimmt.“ Oft seien diese Stücke nicht einmal aus Holz, sondern wiesen nur eine Altholz-Optik aus. Der Second-Hand-Charme sei nur vorgetäuscht, Ressourcen würden mit dem Kauf solcher Möbel nicht geschont.

383 Euro für Möbel

Die demographische Entwicklung gibt der Branche Rückenwind: Die Anzahl der Haushalte nimmt nämlich trotz des Bevölkerungsrückgangs zu und liegt aktuell bei 40,4 Millionen – davon 16,2 Millionen Single Haushalte. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf beträgt laut Geismann 43 Quadratmeter. Im Schnitt gibt jeder Deutsche 383 Euro im Jahr für Möbel aus, soviel wie nie zuvor.

50 Prozent der Möbel aus heimischer Produktion

Mehr als 30 Milliarden Euro ließen sich die Deutschen im vergangenen Jahr ihren Wunsch nach einer neuen Einrichtung kosten. Das war ein Plus von gut zwei Prozent. Fast jedes zweite gekaufte Möbelstück stammte aus der Produktion heimischer Hersteller. Mehr als 500 meist mittelständische Betriebe stellen hierzulande Möbel her - mit regionalen Schwerpunkten in Ostwestfalen, aber auch in Baden-Württemberg und in Bayern.

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