Mordfall Dennis: "Maskenmann" angeklagt
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Fotos der ermordeten Jungen Stefan J., Dennis R. und Dennis K. (v. l.) sowie deren Fundorte hängen im April 2011 während einer Pressekonferenz der Soko Dennis in Verden an einer Pinnwand. Die Staatsanwaltschaft Stade hat am Mittwoch wegen dreifachen Mordes an den Jungen und 20 Fällen sexuellen Missbrauchs Anklage gegen einen 40 Jahre alten Mann aus Hamburg erhoben.
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Fast 20 Jahre lang hatte die Polizei in Norddeutschland vergeblich einen Kindermörder gesucht. Erst nachdem sich im Frühjahr ein neuer Zeuge gemeldet hatte, konnten die Morde aufgeklärt werden. Die Staatsanwaltschaft Stade wirft Martin N. vor, drei Jungen getötet zu haben. Außerdem sind 20 Fälle sexuellen Missbrauchs angeklagt.

Ist der Angeklagte vermindert oder voll schuldfähig?

"Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, den in den Medien als ‚Maskenmann‘ bezeichneten Angeschuldigten strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen“, sagte der Sprecher der Behörde, Kai Thomas Breas. Ob der geständige Pädagoge vermindert oder voll schuldfähig ist, soll ein Gutachten klären. Das Ergebnis stehe noch aus.

Der 40-Jährige soll 1995 den achtjährigen Dennis R. aus Versmold aus einem Zeltlager bei Schleswig verschleppt und getötet haben. Bereits im Jahr 1992 hat Martin N. der Anklage zufolge den 13 Jahre alten Stefan aus einem Internat in Scheeßel entführt. Im September 2001 soll er Dennis K. nachts aus einem Schullandheim in Wulsbüttel entführt und getötet haben.

Pädagoge bestreitet, weitere Kinder getötet zu haben

Die Polizei hatte den Pädagogen in diesem Frühjahr in seiner Hamburger Wohnung festgenommen. Bei der polizeilichen Vernehmung im April gab er die Taten nach Angaben der Staatsanwaltschaft zu. Seitdem mache er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Der Beschuldigte bestreitet nach Angaben des Sprechers, zwei weitere ihm vorgeworfene und bisher ungeklärte Kindermorde in den Jahren 1998 und 2004 begangen zu haben. Die Polizei ermittle in diesen Fällen weiter.

Morde sollten Sexualstraftaten verdecken

Die Staatsanwaltschaft klagt den 40-Jährigen wegen Mordes an, weil er die Kinder ihrer Überzeugung nach heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet hat. Die Taten hätten dazu gedient, die zuvor an den Kindern begangenen Sexualstraftaten zu verdecken.

Der Angeklagte hatte insgesamt rund 40 Fälle von sexuellem Missbrauch zugegeben. Es könnten aber nur 20 angeklagt werden, weil die übrigen Fälle verjährt seien, teilte die Behörde mit.

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