Müllgebühren in Münster am höchsten
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Bei den Gebühren für Müll und Abwasser gibt es in den NRW-Kommunen drastische Preisunterschiede.
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Die Spitzenposition Münsters geht aus der aktuellen vom Bund der Steuerzahler NRW vorgestellten Entwicklung der Abwasser- und Müllgebühren hervor. Am günstigsten sind die Abfallgebühren demnach in der 8000-Einwohner-Gemeinde Blankenheim im Kreis Euskirchen mit 129 Euro - rund viereinhalb Mal weniger als in Münster.

Gebühren in Ahlen fast 100 Euro höher als in Warendorf

Im Kreis Warendorf liegt Ahlen als größte Stadt auch mit den Gebühren vor Warendorf. Dort zahlt ein solcher Haushalt 304,84 Euro im Jahr, in Warendorf hingegen sind es mit 210,84 Euro fast einhundert Euro weniger. Im gesamten Kreis ist Wadersloh mit 180 Euro für die 4-wöchentliche Entsorgung die günstigste Stadt.

In Gütersloh zahlt ein vierköpfiger Haushalt für die Entsorgung im Jahr 195,60 Euro (vier-wöchig), in der Nachbarstadt Bielefeld hingegen sind es 213,84 Euro.

Abwassergebühren in Monschau am höchsten

Bei den Abwasser-Gebühren ist Monschau nahe der belgischen Grenze Spitzenreiter in NRW. 1231,60 Euro muss ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt dort pro Jahr bezahlen, im münsterländischen Reken (Kreis Borken) sind es 246,50 Euro - fast 1000 Euro weniger. Im ostwestfälischen Bielefeld zahlen die Bürger 719,40 Euro.

In der Region sind Gebühren in Schloß-Holte Stukenbrock am niedrigsten

In der Kreisstadt Gütersloh kommen die Bürger mit 629,60 Euro davon. Im Kreis Warendorf liegt Warendorf (533,40 Euro) fast Kopf an Kopf mit Ahlen (576 Euro). In ihrem Kreis jeweils die günstigsten Städte sind Schloß-Holte Stukenbrock mit 344 Euro und Oelde mit 484,10 Euro. Die teuersten hingegen sind Ennigerloh (737,40 Euro) und Langenberg (735,40 Euro).

Gebühren verharren auf hohem Niveau

Die Müllentsorgung sei für die Musterhaushalte gegenüber dem Vorjahr zwar kaum teurer geworden, sagte der Vorsitzende des NRW-Steuerzahlerbundes, Rik Steinheuer. Allerdings verharrten die Gebühren sowohl beim Müll als auch beim Abwasser „auf relativ hohem Niveau“.

In einigen Städten wie Bad Oeynhausen, Paderborn und Salzkotten stiegen die Gebühren für Privathaushalte um bis zu 50 Euro. Gründe seien höhere Entgelte für die Entsorgungsanlagen oder Ausschreibungen, die nicht kostendämpfend wirkten.

Verzicht auf wöchentliche Leerung soll Ersparnis bringen

Um die Gebühren zu senken, fordert der Steuerzahlerbund etwa den Verzicht der wöchentlichen Leerung von Rest- und Biomülltonnen. Außerdem sollten die Kosten für die Leerung von Straßenabfallkörben und für die Entsorgung des „wilden Mülls“ nicht mehr auf die Gebührenzahler umgelegt werden. Dies werde etwa derzeit in Köln diskutiert. Dadurch könnten bis zu zehn Prozent der Müllgebühren eingespart werden, sagte Steinheuer.

Aber auch die Haushalte könnten etwa mit Nachbarschaftstonnen oder Saison-Biotonnen sowie der richtigen Wahl der Mülltonnengröße reduzieren. Bei den Abwasserkosten könnten zum Beispiel Regenwassergebühren eingespart werden, wenn man das Dach begrüne oder weniger Fläche des Grundstücks versiegele.

Münster hat mehr Recyclinghöfe als Düsseldorf

Dass Münster seit Jahren Spitzenreiter bei den Müllgebühren ist, hat laut Steuerzahlerbund mehrere Gründe. So leiste sich die Stadt elf Recyclinghöfe - Düsseldorf etwa betreibe nur drei. In Münster gebe es zudem flächendeckend Biotonnen, die wöchentlich geleert würden. Außerdem habe die Stadt eine kostspielige mechanisch-biologische Anlage zur Vorbehandlung des Hausmülls, während etwa das benachbarte Steinfurt mit Müllgebühren in Höhe von nur 163 Euro auf Verträge mit Müllverbrennungsanlagen setze.

Laut einer Studie des Forschungsunternehmens IW Consult für den Eigentümerverband Haus und Grund führt NRW bei den Müllgebühren sogar bundesweit die Liste der teuersten Kommunen an. Demzufolge waren Leverkusen, Moers und Bergisch Gladbach am kostspieligsten - Bonn hingegen, zumindest in NRW, am günstigsten.

VKU hält Zahlen für nicht repräsentativ

Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) hält keine der Berechnungen für stichhaltig. Die zugrunde gelegten Zahlen bildeten nicht die realen Verhältnisse vor Ort ab, etwa landschaftliche Besonderheiten oder uneinheitliche Kundenstrukturen in Einfamilien- oder Hochhausgebieten. Der Steuerzahlerbund nannte seine jährliche Aufstellung zwar eine „Gratwanderung“. Aber es gehe nicht darum zu ermitteln, „welche Tonne Lieschen Müller vor der Haustür hat“, sondern um Musterhaushalte.

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