Münster will sich an die Spitze schießen
Bild: Dünhölter
Geht der Höhenflug weiter? Die Preußen-Profis (v.l.) Amaury Bischoff, Patrick Kirsch, Fabian Hergesell, Kevin Schöneberg, Dimitrij Nazarov, Jens Truckenbrod und Dennis Grote wollen heute auch in Aachen jubeln.
Bild: Dünhölter

Zeit zum Genießen blieb kaum. Ein paar nette Stunden auf dem Oktoberfest in Münster gönnten sich die meisten Preußen-Spieler am Samstagabend nach dem denkwürdigen 4:0-Triumph gegen Arminia Bielefeld – mit ausdrücklicher Erlaubnis von Pavel Dotchev. „Ich kann ihnen das nach einem solchen Spiel nicht verbieten, sonst würden sie heimlich woanders hinfahren. Das haben wir früher auch gemacht“, schmunzelte Münsters bulgarischer Erfolgstrainer und schob hinterher: „Ich vertraue ihnen.“

Aachen läuft der Musik noch hinterher

Konzentration und Spannung hochhalten, darum geht’s in diesen Tagen. Denn nach Bielefeld ist vor Aachen. Englische Woche in der 3. Fußball-Liga, bereits Dienstagabend ab 19 Uhr gastiert Münster beim kriselnden Zweitliga-Absteiger Alemannia Aachen, der auch unter Neu-Trainer René van Eck nicht die Kurve kriegt. Beim 0:1 am Samstag in Babelsberg, der bereits vierten Saisonniederlage, flogen Marcel Heller (Rot) und Albert Streit (Gelb-Rot) vom Platz. Die Nerven liegen blank beim Absteiger, der um den direkten Wiederaufstieg mitspielen wollte, aktuell aber mit zehn Punkten aus zehn Spielen als Tabellen-17. der Musik noch hinterherläuft.

Dotchev warnt vor der Alemannia

Für Pavel Dotchev spielt das keine Rolle, er warnt ausdrücklich davor, die Alemannia nur am derzeitigen Tabellenstand zu messen. „In Aachen wird es heute nicht einfacher als Samstag gegen Bielefeld.“ Die Euphorie in Münster ist nach zwei Derbysiegen innerhalb von nur einer Woche (2:0 in Osnabrück, 4:0 gegen Bielefeld) riesengroß. In der aktuellen Verfassung müssen die Preußen tatsächlich zum Kreis der Aufstiegsanwärter gezählt werden. Dotchev registriert die Hochstimmung, bleibt aber inmitten des ganzen Trubels wohltuend reserviert. Dabei hat der Bulgare einen großen Anteil am aktuellen Höhenflug, deren Basis ist beste Abwehr der 3. Liga ist. Seit 440 Spielminuten hat Münster kein Gegentor mehr kassiert. „Es ist schwer gegen uns. Wenn es so weitergeht, ist alles möglich. Aber wir müssen auf dem Boden bleiben“, sagt Torjäger Matthew Taylor, der das 4:0 gegen Bielefeld im „Kicker“ als das „vielleicht coolste Spiel meines Lebens“, bezeichnet hat. Doch jetzt zählt erstmal nur Aachen, eine schwere Aufgabe für den SC Preußen gerade nach den beiden zurückliegenden, hochemotionalen Siegen.

Krämer fordert Reaktion

Mund abwischen, weitermachen. Das Horror-Derby in Münster steckt den Profis von Arminia Bielefeld noch in den Knochen, doch schon Dienstagabend können sie sich den Frust von der Seele spielen. Chemnitz heißt der nächste Gegner (19 Uhr, Schüco-Arena), es geht um Wiedergutmachung, um Krisenbewältigung. „Änderungen wird es auf jeden Fall geben. Wichtig ist aber: Nicht die Auf-, sondern die Einstellung entscheidet das Spiel. Wir müssen eine Reaktion zeigen“, forderte Trainer Stefan Krämer.

Über die Gründe für den desolaten Auftritt ausgerechnet in Münster rätselt Bielefelds Chefcoach noch immer. Übermotivation? Vielleicht. „Möglicherweise haben sich die Spieler zu viele Gedanken gemacht, weil sie es besonders gut machen wollten.“ Heraus kam eine blutleere, ideenlose, lethargische Vorstellung, wie sie es unter der Regie von Stefan Krämer noch nicht gab. Die einzige Spitze Fabian Klos (bereits neun Saisontore) blieb stumpf. Vielleicht müssen sich die Arminen auch fragen, ob ihr Offensivspiel zu sehr auf Klos ausgerichtet ist und von seinen Qualitäten abhängt. Nun ist gewiss nicht alles schlecht, immerhin mischt Bielefeld weiter ganz oben mit. Ein kräftiger Schuss vor den Bug war der Auftritt in Münster aber allemal – auf und außerhalb des Platzes. Denn einige Arminen-Fans benahmen sich nach dem Schlusspfiff daneben, zündeten Böller und wollten Polizeiabsperrungen durchbrechen. Drei Personen wurden in Gewahrsam genommen, elf Fans leicht verletzt. „Der Gesamtauftritt auf dem Platz und auf den Rängen war richtig schlecht“, war DSC-Geschäftsführer Marcus Uhlig derart angefressen, dass er sogar in Erwägung zog, künftig zu einem Derby gegen Münster ohne Zuschauer anzureisen.

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