NRW geht gegen Greifvogel-Wilderer vor
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Ein Rotmilan auf der Jagd: Obwohl Greifvögel zu den geschützten Tierarten gehören, werden sie geschossen oder gefangen. Denn Jäger oder Taubenzüchter ärgern sich  über sie.
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Kein Einzelfall, berichtet Axel Hirschfeld vom „Komitee gegen den Vogelmord": „Seit 2005 sind 517 Fälle mit rund 900 toten Greifvögeln in NRW dokumentiert worden", sagt Hirschfeld. Bundesweit seien im selben Zeitraum 1040 Fälle dokumentiert worden. Die Zahl sei aber ungenau, erläutert Hirschfeld, denn: „Wir führen zusammen mit der Stabsstelle Umweltkriminalität des Umweltministeriums in NRW seit elf Jahren ein bundesweit einzigartiges Monitoring über die Greifvogelverfolgung.“ Andere Bundesländer hätten dagegen noch große Lücken in ihrer Dokumentation.

Rebhühner, Hasen und anderes Kleinwild gehören auf dem Land zum Beutespektrum der Greifvögel. „Häufig sehen deshalb Jäger im Greifvogel einen Konkurrenten", sagt Birgit Königs vom Naturschutzbund NRW. Der Landesjagdverband NRW weist das jedoch zurück. Der Verband habe 2006 gemeinsam mit der Ornithologischen Gesellschaft eine Erklärung unterschrieben, die sich für den Schutz der Greifvögel ausspricht, sagte ein Sprecher. Zu dieser Erklärung stehe der Verband weiterhin. Dass es sich bei dem verurteilten Fallensteller aus Westfalen um einen eigenen Funktionär handeln soll, ließ der Verband unkommentiert.

In der Stadt haben es Greifvögel vorwiegend auf Tauben abgesehen - ein Ärgernis für die Züchter. „Es ist eine vorgeschobene Rechtfertigung, dass Greifvögel die Bestände der Stadttauben regulieren könnten", empört sich Werner Damerow. Er ist Präsidialmitglied des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter und hat selbst einen Taubenschlag. „Es ist unerträglich, was gegenwärtig passiert", sagt er. „Viele Züchter können ihre Tauben gar nicht mehr fliegen lassen."

Mit der Ansiedlung von Greifvögeln innerhalb von Städten sei ein falscher Weg eingeschlagen worden, kritisiert der Taubenzüchter: „Ein Habicht gehört nicht auf einen Friedhof und ein Wanderfalke nicht auf ein Hochhaus." Es sei einfach keine natürliche Umgebung für die Tiere und sorge für ein Ungleichgewicht.

90 Prozent aller Sport- und Rassezüchter hätten über Angriffe von Greifvögeln auf ihre Tauben berichtet. „Die Tiere fressen die Natur leer. Die Populationen wachsen einfach zu schnell." Was also tun?: „Ich möchte nicht, dass auf die Tiere wieder geschossen werden darf; aber ich wünsche mir, dass sie nicht mehr gezüchtet und an den falschen Stellen angesiedelt werden", sagt Damerow.

„38 Fälle illegaler Greifvogelverfolgung wurden in NRW in den letzten elf Jahren rechtskräftig verurteilt", sagt Hirschfeld und schränkt ein: „Ich denke, unser Monitoring zeigt nur die Spitze des Eisbergs." Es sei nicht einfach, die Täter zu überführen: „Die Fallen werden meist auf Privatgrundstücken aufgestellt - man sieht sie also kaum."

In anderen Fällen wurden die Tiere auch abgeschossen oder in Lebendfallen gefangen. Auch das ist das verboten: Täter, die Greifvögel verfolgen, erwartet eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

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