NRW kommt nach Orkan zur Ruhe
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Nachdem am Donnerstag das Sturmtief „Friederike“ über weite Teile Deutschlands hinweg gezogen ist, kann der Bahnverkehr erst schrittweise wieder aufgenommen werden.
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Am Samstagmorgen war auf sieben Strecken nur ein eingeschränkter Betrieb möglich. Auf einer Linie fuhren nach wie vor keine Züge. Der Fernverkehr wurde auf den Strecken Dortmund-Osnabrück-Bremen sowie Hamm-Wuppertal-Köln noch nicht wieder aufgenommen. "

Bahnhof Münster ist wieder freigegeben

Das kann sich im Laufe des Nachmittags ändern", sagte ein Bahnsprecher am Samstag. Der Intercity auf der Strecke Düsseldorf-Münster-Emden falle weiter aus. Wieder freigegeben ist seit Samstagmorgen der Bahnhof Münster. Reisende sollen sich laut Bahn vor Reiseantritt im Netz informieren, ob es bei ihrer Verbindung zu Einschränkungen komme.

Der Zugverkehr soll am Wochenende wieder weitgehend normal laufen. „Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe des Wochenendes alle Linien wieder in Betrieb nehmen können“, sagte ein Bahnsprecher. Am Freitag war der Bahnverkehr weiterhin erheblich eingeschränkt. Aber im Regionalverkehr wurden im Laufe des Tages zahlreiche Bahnstrecken wieder in Betrieb genommen.

Am späten Nachmittag war auf elf Strecken nur ein eingeschränkter Betrieb möglich. Auf weiteren vier Linien fuhren noch keine Züge. Im Fernverkehr blieben die Strecken Dortmund-Osnabrück-Bremen sowie Hamm-Wuppertal-Köln gesperrt. Auch der seit dem Sturm nicht mehr angefahrene Bahnhof Münster soll noch am Freitagabend wieder erreicht werden können.

„Sensationell, wie Menschen in Nordrhein-Westfalen nach Einstellen des Zugverkehr zusammenstehen. Tausende Angebote an Fahrgemeinschaften für die, die nicht nach Hause kommen, in Betrieben, Behörden und sozialen Medien machen stolz", twitterte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstagabend.

Manche Schulen bleiben geschlossen

In den meisten NRW-Schulen begann der Unterricht am Morgen wieder normal. Die extreme Wetterlage sei vorbei, hieß es aus dem Schulministerium. Allerdings seien in einigen Schulen Schäden etwa an Dächern entstanden, die repariert werden müssten. Diese Schulen blieben weiter geschlossen. Am Vortag waren wegen des Orkans viele Schulen geschlossen geblieben oder hatten den Unterricht nach den ersten Stunden abgebrochen. Tausende Eltern mussten ihre Kinder vorzeitig abholen.

Stromversorgung wieder hergestellt

Im Versorgungsgebiet des Stromnetzbetreibers Westnetz war nach umfangreichen Reparaturarbeiten am Freitagnachmittag die Stromversorgung überall wieder hergestellt. Am Vortag waren zeitweise bis zu 150 000 Menschen ohne Strom.  Das Unternehmen berichtete von insgesamt 800 Einsätzen. In den meisten Fällen hätten vom Sturm entwurzelte Bäume und abgebrochene Äste Stromleitungen beschädigt. Umgeknickte Bäume und Äste hätten auch die Anfahrt zu den Einsatzorten erschwert.

Die Reparaturen der beschädigten Stromleitungen würden noch mindestens eine Woche in Anspruch nehmen. Die Schadenshöhe wird nach Westnetz-Schätzung voraussichtlich im siebenstelligen Bereich liegen. Westnetz ist Netzbetreiber in großen Teilen von Nordrhein-Westfalen.

Drei Menschen kommen ums Leben

Auf den Tag genau elf Jahre nach dem verheerenden Orkan "Kyrill" war am Donnerstag das Orkantief "Friederike" stundenlang über Nordrhein-Westfalen hinweggefegt. Mindestens drei Menschen kamen in NRW ums Leben, Dutzende wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Die Feuerwehr rückte zu tausenden Einsätzen aus, allein in Mönchengladbach bis zum späten Abend mehr als 300 Mal.

Vielerorts waren zeitweise Windstärke 12 (Geschwindigkeiten von 117 Stundenkilometern in der Stunde und mehr) gemessen worden. Auch mehrere Flughäfen hatten aus Sicherheitsgründen Flüge gestrichen. Feuerwehrleute, Helfer des Katastrophenschutzes und Mitarbeiter von Unternehmen waren auch am Freitagmorgen weiter mit Aufräumarbeiten beschäftigt. An vielen Stellen mussten noch Hindernisse wie umgeknickte Bäume entfernt werden.

Betreten von Wäldern verboten

Der Landesbetrieb Wald und Holz geht jedoch davon aus, dass die Schäden deutlich geringer sind als beim Orkan Kyrill. „Wir sind in der Phase der Informationsbeschaffung", sagte Behördensprecher Stefan Befeld am Freitag in Münster. Allerdings sei der Zutritt zu den Wäldern oft schwierig, weil Zufahrtswege durch umgestürzte Bäume versperrt seien. „Viele Waldflächen sind so zu, dass man nicht hereinfahren kann."

Erste Zahlen für einen groben Überblick will der Landesbetrieb bis Montagmittag sammeln. Klar sei schon, dass unter den umgestürzten Bäumen viele Fichten seien. Aber auch Laubbäume seien abgebrochen oder umgeworfen worden. Für mehrere größere Gebiete wurden Waldbetretungsverbote verhängt. „Wir raten den Bürgern, nicht in die Wälder zu gehen und das auch ernst zu nehmen", betonte Befeld. Es bestehe etwa die Gefahr, dass noch in den Kronen hängende, abgebrochene Äste plötzlich zu Boden gingen. Auch umgewehte Bäume, die an einem Nachbarbaum lehnten, könnten sich plötzlich lösen. Es bestehe Lebensgefahr.

Die Aufarbeitung des Sturmholzes sei für die Waldarbeiter "extrem gefährlich, weil viele Bäume unter Spannung stehen". Die Aufräumarbeiten würden voraussichtlich mehrere Wochen dauern.

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