NRW nimmt 144.000 Flüchtlinge auf
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In Dortmund werden am Dienstagabend erneut 900 Flüchtlinge am Bahnhof erwartet. Im Dietrich-Keuning-Haus wurde eine Betreuungsstelle eingerichtet, in der die Flüchtlinge nach der Ankunft am Hauptbahnhof erstversorgt werden.

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Ein erster Zug mit rund 620 Flüchtlingen erreichte den Bahnhof gegen 1.40 Uhr, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. Der Zug hatte auf dem Weg von Salzburg in Koblenz gestoppt, um die Flüchtlinge medizinisch zu versorgen. Zwei Schutzsuchende waren in einem Krankenhaus in Koblenz geblieben, 50 weitere mit Fieber und offenen Wunden wurden versorgt, konnten die Fahrt aber fortsetzen.

Ein zweiter Sonderzug mit rund 400 Flüchtlingen erreichte Dortmund in den frühen Morgenstunden. Sie wurden anschließend mit Bussen in Unterkünfte in ganz Nordrhein-Westfalen gebracht.

Derweil plant die NRW-Landesregierung nach Medienberichten eine zusätzliche Anlaufstelle für die Registrierung von Flüchtlingen. Sie soll in der Herforder Harewood-Kaserne entstehen.

„Nicht die erhoffte europäische Lösung“

Angesichts der Flüchtlingszahlen kritisierte Innenminister Ralf Jäger (SPD) die EU-Innenminister. Sie hätten sich am Montag gerade einmal auf die Verteilung von 160 000 Flüchtlingen in Europa geeinigt. „Das ist nicht die erhoffte europäische Lösung für die Bewältigung des Flüchtlingsstroms2, sagte er am Dienstag in Düsseldorf. Konkrete Maßnahmen würden wieder einmal verschoben. Die Gespräche sollen Anfang Oktober fortgesetzt werden. Er forderte deshalb den Bund auf, seiner Verantwortung gegenüber den Ländern nachzukommen. „Wir brauchen schnell wieder geordnete Abläufe, damit wir Länder planen können. Dafür ist der Bund nach seiner Zusage, Flüchtlinge aus Ungarn aufzunehmen, verantwortlich.“ Zurzeit würden sich allein in den Landeseinrichtungen mehr als 46.00 Menschen aufhalten.

SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Römer warb in einem Brief an seine sozialdemokratischen Amtskollegen in den anderen 15 Bundesländern um Unterstützung für Forderungen an den Bund. Die Verdopplung der Bundesmittel für die Unterbringung der Flüchtlinge auf eine Milliarde Euro reiche bei weitem nicht aus. Die stetig steigenden Prognosen machten mindestens zwei Milliarden Euro noch für dieses Jahr nötig. Ebenso müssten die Kalkulationen für 2016 verdoppelt, Anerkennungsverfahren gestrafft und Liegenschaften des Bundes schnell für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden.

Groschek: Mindestens 35.000 Wohnungen benötigt

NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) forderte den Bund auf, die Mittel für den sozialen Wohnungsbau mindestens zu verdoppeln. Seinen Schätzungen zufolge benötigt NRW mindestens 35.00 Wohnungen, allein um Flüchtlinge mit Bleibeperspektive unterzubringen, die dieses Jahr kommen. Wie viele Flüchtlinge in dieser Woche nach NRW kommen, ist nur schwer abzusehen. „Wir wissen noch nicht, wie sich die Grenzschließung auswirken wird. Es sind noch viele Flüchtlinge in München“, sagte Ralf Ciekanowski von der für Flüchtlinge zuständigen Bezirksregierung Arnsberg. Er geht davon aus, dass es - wie in der vergangenen Woche - mindestens 15.000 Menschen sein werden. Mit Sonderzügen trafen in NRW in den vergangenen zehn Tagen rund 12.000 Menschen ein. Am frühen Dienstagmorgen nahmen Feuerwehr und Helfer am Düsseldorfer Flughafenbahnhof rund 350 Menschen in Empfang, die mit einem Sonderzug aus München eingetroffen waren.

Dortmund und Düsseldorf wechseln sich beim Empfang und der Weiterleitung der Flüchtlinge aus Sonderzügen weiterhin täglich ab. Zum nächsten Wochenende wird die Lage neu beurteilt. Der Rat der Stadt Dortmund hat inzwischen auf einer Sondersitzung beschlossen, die Erstaufnahme für Flüchtlinge auszubauen.

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