„Nachbarschaft wird zur Familie“
Bild: Bothe

Als ein Beispiel für einen gelungenen Neubau besuchte NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD, M.) am Mittwoch in Münster die 2013 eröffnete Studentenwohnanlage an der Boeselagerstraße.

Bild: Bothe

Groschek ist seit Montag und noch bis heute unterwegs, um sich in ganz NRW über Stadtteil-Entwicklungsprojekte  zu informieren. Darunter sind eine „Klimaschutz-Siedlung“ in Düsseldorf und ein Stadterneuerungsprojekt in Duisburg.

„Die Quartiersentwicklung ist keine Eintagsfliege“, betonte er. Daher will das Ministerium in Zusammenarbeit unter anderem mit Wohnwirtschafts- und Architektenverbänden sowie der NRW-Förderbank 2015 die Quartiersakademie starten. Diese soll Workshops und Seminare sowie ein breites Informationsangebot im Internet umfassen. Zur Zielgruppe gehören alle, die an der Stadtteil-Entwicklung mitwirken – haupt- und ehrenamtliche Kommunalpolitiker ebenso wie Bauherren und Vertreter lokaler Initiativen. Denkbar sei beispielsweise, so Groschek, dass sie sich vor Ort über gelungene Konzepte informieren: „Gute Ideen sollen als Vorbilder präsentiert werden.“

In Münster war Groschek unter anderem Gast bei einem Treffen von Vertretern von Seniorenzeitungen aus 33 NRW-Kommunen. Thema der Debatte war das Leben im Alter. „Für viele wird dann die Nachbarschaft zur Familie“, sagte der Minister – wenn die eigenen Kinder weit entfernt wohnen, sei es besonders wichtig, ein intaktes Umfeld zu haben. Doch auch junge Menschen haben ihren Lebensmittelpunkt oft in ihrem Viertel mit seinen Freizeitangeboten, Einkaufsmöglichkeiten und Vereinen.

Das Land könne zumindest dazu beitragen, gute Nachbarschaften und Lebensbedingungen zu schaffen, so Groschek. So könne es etwa die Ansiedlung von Betreuungseinrichtungen, die Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten, eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr oder den Bau barrierefreier Wohnungen fördern. Patentrezepte, sagte der Minister, gebe es dabei nicht, da die Voraussetzungen in jeder Kommune anders seien. Hier müssen alte Gebäude modernisiert, dort ganz neue Stadtteile geplant werden, das soziale Umfeld unterscheidet sich ebenfalls von Ort zu Ort. Dabei sollen jeweils die Mieten bezahlbar bleiben und die Maßnahmen möglichst noch eine ökologische Aufwertung bewirken. „Das Dorf der Zukunft ist das Stadtdorf – das Quartier, das Stadtviertel“ - mit diesem Satz umreißt Groschek, warum ihm die Entwicklung von Stadtteilen besonders am Herzen liegt. 

Als ein Beispiel für einen gelungenen Neubau besuchte Groschek dann die 2013 eröffnete Studentenwohnanlage an der Boeselagerstraße. Die vier Passivhäuser mit insgesamt 535 barrierefreien Wohneinheiten sind so konzipiert, dass sie beispielsweise von Senioren bewohnt werden können, falls einmal weniger Studenten in Münster leben sollten. Auch die Dreifaltigkeitskirche schaute er sich an. In diesem ehemaligen katholischen Gotteshaus sind 18 barrierefreie Wohnungen, zwei Gruppenwohnungen sowie Büros entstanden.

Am Donnerstag besichtigt Groschek ein Neubaugebiet in Bielefeld-Senne, in dem unter anderem auf ökologisches Bauen Wert gelegt wird. Anschließend geht es weiter nach Sennestadt. Das 1954 entstandene Viertel wird seit 2007 umgestaltet. So wird für mehr Grün gesorgt und die energetische Sanierung gefördert.

SOCIAL BOOKMARKS