Oetker-Reederei: Fusion vorerst vom Tisch
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Die geplante Fusion der beiden großen deutschen Linienreedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd ist vorerst vom Tisch.
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Die Reederei Hamburg Süd stehe einer Fusion aber weiterhin offen gegenüber, teilte das Unternehmen gestern mit.

Seit fünf Jahren steuert die internationale Schifffahrt durch eine Dauerkrise. In guten Zeiten haben die Reeder zu viele Schiffe bestellt, die bis heute von den Werften immer noch auf den Markt kommen.

Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 brach jedoch das Frachtaufkommen massiv ein. Die Folge: Zu viel Schiffsraum, zu wenig Ladung. Die Überkapazitäten drückten die Fracht- und Charterraten. Dazu kamen steil steigende Treibstoffkosten. Vor diesem Hintergrund schien es eine gute Idee, aus den beiden Hamburger Reedereien die Nummer vier auf dem Weltmarkt zu schmieden. Mit 250 Containerschiffen hätte die fusionierte Reederei hinter den drei Branchenriesen Maersk, MSC und CMA CGM rangiert.

„Für beide Unternehmen von außerordentlich großem Nutzen“

Was auf den ersten Blick vernünftig erschien, scheiterte an den Realitäten. Die Schifffahrt mit der Reederei Hamburg Süd ist die größte Geschäftssparte des Bielefelder Oetker-Konzerns. Dieser hält an seinen Konzernunternehmen in der Regel 100 Prozent und veröffentlicht nur die nötigsten Unternehmensdaten, aber zum Beispiel keine Gewinne. Bei einer Fusion wäre Hamburg Süd der kleinere Partner gewesen. „Der Beirat und die Geschäftsführung (...) Süd sind weiterhin davon überzeugt, dass der Zusammenschluss von Hapag-Lloyd und Hamburg Süd für beide Unternehmen (...) von außerordentlich großem Nutzen wäre“, teilte das Unternehmen mit. Auch einen Börsengang könne man sich unter bestimmten Voraussetzungen vorstellen.

Die Eigentümerstruktur bei Hapag-Lloyd ist kompliziert und von gegensätzlichen Interessen geprägt. Wesentliche Anteile halten die Stadt Hamburg (37 Prozent), der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne (28 Prozent) und der Touristikkonzern Tui. Der Stadt Hamburg geht es im Wesentlichen um die Sicherung des Standorts. Kühne wollte auch in einem fusionierten Unternehmen etwas zu sagen haben. Das war Oetker nicht recht.

Nun bleibt zunächst alles, wie es ist. Es geht für beide Unternehmen ums Durchhalten. Branchenexperten rechnen noch mit einer längeren wirtschaftlichen Durststrecke bis zum Ende des nächsten Jahres.

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