Offene Kirchen in NRW: Oasen der Ruhe 
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Ein Ort der Besinnung sind offene Kirchen in NRW.  
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Und für Menschen wie Sebastian Maier ist sie ein Ort für sehr persönliche Momente. "Heute war ich spontan in der Kirche, um ein Licht für die Opfer von Norwegen anzuzünden", sagt der 29-Jährige. Früher hätte er vor verschlossenen Türen gestanden. Doch seit 2004 öffnen immer mehr Gotteshäuser in NRW außerhalb des Gottesdienstes.

Abstand vom Alltag finden

"Besucher sollen die Kirche so für sich selbst entdecken", sagt Pfarrer Andreas Isenburg. Er leitet die Initiative "Offene Kirchen" der westfälischen Landeskirche. "Ein Gotteshaus dient auch dazu, Abstand vom Alltag zu gewinnen und Ruhe zu finden." Wer das Angebot nutzt, ist aber noch nicht erforscht.

„Verlässlich geöffnete Kirchen“ der Evangelischen Kirche von Westfalen gibt es unter anderem in Versmold (Ev. Dorfkirche Bockhorst, Petri-Kirche), Gütersloh (Apostelkirche), Schloß Holte-Stukenbrock (Versöhnungskirche, Friedenskirche), Ahlen (Pauluskirche) und Drensteinfurt (Martinskirche),     

www.offene-kirchen.info

Es sei eben eine bunte Mischung, erläutert die Pfarrerin von St. Reinoldi, Silke Konieczny. "Vom Schüler bis zum Rentner und vom Geschäftsmann bis zum Touristen bekommen wir Besuch quer durch die Altersstufen." Den Statistiken der ehrenamtlichen Mitarbeiter zufolge entscheidet die Lage über den Andrang: In einer Stadt wie Dortmund kommen täglich 250 bis 300 Menschen, in Münster dagegen verzeichnet die Apostelkirche nur 30 Besucher.

Die Reinoldikirche ist eine sogenannte "verlässlich geöffnete Kirche". "Das bedeutet, Besucher können an mindestens fünf Tagen pro Woche für vier Stunden hinein", erklärt Pfarrer Isenburg. Bislang gibt es gut 200 Angebote dieser Art in NRW, erkennbar durch ein Signet in den Farben Schwarz, Weiß und Blau am Eingang. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verleiht die Signets seit dem Jahr 2000. Bundesweit gibt es schätzungsweise zwischen 4000 und 5000 "Offene Kirchen".

Angst vor Vandalismus ist groß

Bei den Katholiken stehen Kirchen traditionell zum Beten offen, zumindest ist das der Grundsatz. "Die Verantwortung dafür liegt aber in den Gemeinden", erläutert Johannes Heimbach vom Bistum Münster. Statistiken zur Umsetzung existieren nicht, auch Umfragen fehlen bislang. Die Angst vor Vandalismus ist groß. "Die meisten Kirchen im Bistum Essen müssen leider geschlossen bleiben", sagt Sprecher Ulrich Lota. Denn selbst mit Aufsicht sei Schaden kaum zu verhindern. "Der "Siebenarmige Leuchter" wird da schon mal zum Sportgerät."

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