Pest-Ausstellung ist ungewollt aktuell
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Kurator Stefan Leenen steht mit einem Mundschutz in der Ausstellung „Pest - Eine Spurensuche“ des LWL-Museum für Archäologie vor einem Exponat aus 300 sogenannten Pestmasken. Die Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sind seit Dienstag wieder geöffnet.
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„Gerade auf naturwissenschaftlicher Ebene ist vieles nicht vergleichbar. Es gibt aber durchaus viele Muster im menschlichen Verhalten, die wir damals entdecken können, die es nun wieder zu beobachten gibt“, sagt Kurator Stefan Leenen. Er hat die bereits im Herbst 2018 eröffnete und nun bis zum 15. November 2020 verlängerte Schau entwickelt.

Schnabelförmige Pestmaske

So sei die Quarantäne eine Erfindung des Mittelalters zur Pestprävention. Auch Auswirkungen wie abgebrochene Handelsbeziehungen oder reduzierter Verkehr zwischen Städten habe die Pest seinerzeit gehabt, erklärt Leenen.

Präsent in der Ausstellung ist auch die symbolisch gewordene schnabelförmige Pestmaske: „Diese und andere Exponate zeigen, dass es schon damals Versuche gab, Schutzkleidung für Ärzte oder Priester herzustellen“, sagt der Kurator.

Ausleihe ging in Corona-Krise zurück an Feuerwehr

Eine Leerstelle in der Ausstellung zeigt einen weiteren Bezug: Die Feuerwehr Essen hatte eine spezielle Desinfektionsbahre und ein Desinfektionsgerät ausgeliehen, mit der die Ausstellungsmacher zeigen wollten, wie heutige Infektionsausbrüche bekämpft werden könnten. „Die Exponate haben wir zurückgeben müssen, weil die Feuerwehr Eigenbedarf angemeldet hat“, sagt Leenen.

Eigentlich sollte die Ausstellung nur bis zum 10. Mai zu sehen sein. Weil viele Leihgaben noch nicht wieder zurück müssen, man verloren gegangene Ausstellungszeit wieder aufholen wolle und das Thema derzeit auf großes Interesse stoße, sei man froh, nun in die Verlängerung gehen zu können, betont Leenen.

Kunstmuseen, aber auch Naturkunde-, Freilicht- oder eben Archäologiemuseen dürfen seit dieser Woche wieder Besucher empfangen - allerdings unter Auflagen. In vielen Häusern gelten daher Mundschutzpflicht und eine Begrenzung der Besucherzahlen.

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