Picasso-Schau zeigt Einflüsse des Fernsehens
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Ende der 1960er-Jahre bietet das Fernsehen Pablo Picasso eine Inspirationsquelle. Ein Teil der entstandenen Grafiken ist unter dem Titel „Picasso sieht fern!“ bis zum 18. Mai im Picasso-Museum in Münster zu sehen.

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„Manchmal finde ich im Fernsehen herrliche Sachen, die mir gefallen und mich interessieren. Und manchmal ist es schrecklich.“ Diese Worte stammen nicht etwa von einem Medienwissenschaftler des 21. Jahrhunderts, sondern von Pablo Picasso. Ende der 1960er-Jahre bietet ihm das Fernsehen eine Inspirationsquelle, die er innerhalb von sieben Monaten in 347 Grafiken umsetzt. Ein Teil dieser „Suite 347“ ist unter dem Titel „Picasso sieht fern!“ bis zum 18. Mai im Picasso-Museum in Münster zu sehen.

Künstler entwickelte Vorliebe für Catch-Kämpfe

„Die Ausstellung stellt die Picasso-Forschung auf den Kopf“, sagt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. Sie zeige, dass der Künstler kein Eremit war. „Picasso war medial auf der Höhe. Dieser Aspekt des Alltagslebens macht ihn und sein Werk aber keineswegs kleiner, im Gegenteil“, erklärte Müller. Alles habe dem Meister dazu gedient, Rohmaterial für seine Kunst zu finden. Es erscheint profan, sich Gedanken darum zu machen, was Picasso im Fernsehen geschaut hat – wer genau hinsieht, liest das aus den ausgestellten Grafiken. Eine besondere Vorliebe entwickelte Picasso für Catch-Kämpfe und Monumentalfilme. Kritiker führen zum Beispiel die auffällige Unschärfe einiger Werke zurück auf den Einfluss der Fernsehens.

Erwitt-Fotografien ergänzen die Ausstellung

Zusätzlich zu der außergewöhnlichen Perspektive auf Picassos Werk – ausgestellt sind 60 Werke und neun Fernsehbildschirme – bietet das Picasso-Museum Fotografien von Elliott Erwitt. Die Ausstellung „Eine Retrospektive“ zeigt fast 140 Schnappschüsse des Mitglieds der berühmten Fotoagentur Magnum.

Erwitt, heute 85 Jahre alt, ist der Auffassung, dass die „ganz guten Bilder jederzeit und überall passieren können“ – und das wird in der Ausstellung deutlich. Oft haben die Schwarz-weiß-Fotografien einen ironischen und lustigen Unterton, der sich dem Betrachter schnell erschließt.

Erwitt porträtiert Hollywoodstars wie Grace Kelly genauso wie die spießige US-Mittelstandsfamilie der 1950er-Jahre. Durch die atmosphärischen und humoristischen Bilder von Menschen und Hunden in seiner Heimatstadt New York handelte sich Erwitt den Beinamen „der fotografische Großstadtneurotiker“ ein.

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