Polizei-Razzien zum Schienenkartell
Die Zahl der Firmen, die sich an illegalen Preisabsprachen bei Eisenbahnschienen beteiligt haben, steigt.

Am Morgen seien die Privatwohnungen von zwei Beschuldigten und einem Zeugen in Bochum, Essen und Dortmund durchsucht worden. Den Schaden schätzen die Ermittler inzwischen auf eine dreistellige Millionensumme. Vor vier Wochen hatte die Bochumer Staatsanwaltschaft noch von 30 Beschuldigten aus zehn Unternehmen gesprochen. Seit Beginn des Verfahrens hätten zahlreiche weitere Firmen Selbstanzeige beim Bundeskartellamt in Bonn erstattet, teilte die Polizei mit.

 Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bochum fahndet gemeinsam mit einer Bochumer Polizei-Sonderermittlungsgruppe in enger Zusammenarbeit mit dem Bundeskartellamt. Der Skandal war im März durch anonyme Strafanzeigen bekanntgeworden. Demnach soll das Kartell seit mindestens 1998 unter dem Namen "Schienenfreunde" mit Absprachen überhöhte Preise für Eisenbahnschienen durchgesetzt haben. Als Kronzeuge der Ermittlungen gilt der österreichische Stahlkonzern Voestalpine. Nach Angaben der Behörden ist außerdem die ThyssenKrupp-Tochterfirma GfT Gleistechnik im Visier der Ermittler. Die Deutsche Bahn prüft als Hauptabnehmer Schadenersatzforderungen. Nach früheren Zeitungsberichten soll das Kartell der Deutschen Bahn zwischen 2003 und 2008 rund 400 Millionen Euro zu viel berechnet haben.

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