Polizei räumt besetztes Haus in Münster
Bild: Kutzendörfer
Steht wieder leer: das Gebäude am alten Güterbahnhof in Münster. Rund 100 Polizisten waren am Mittwochmorgen zur Räumung angetreten.
Bild: Kutzendörfer

Vier Personen hätten die Beamten vorgefunden und aus dem Gebäude geführt, sagte Bode. Sie erwarte ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs.  Am Abend protestierten rund 100 Personen gegen die Räumung am Güterbahnhof. 

Rund 100 junge Leute protestierten gestern Abend friedlich gegen die morgendliche Räumung der „Zentrale“ am alten Güterbahnhof in Münster. Unterstützung gab es von Grünen-Politiker Stephan Orth (ganz hinten), der die geringe Gesprächsbereitschaft von Stadt und Bahn kritisierte.

Leerstehendes Bahn-Gebäude besetzt

Die Gruppe junger Leute hatte das leerstehende Bahn-Gebäude an der Hafenstraße 70 vor knapp zwei Wochen in Beschlag genommen. Sie fordern eine sozial gerechtere Stadtentwicklung, den Erhalt alternativer Kultur und der „Zentrale“ am alten Güterbahnhof in Münster als Begegnungsstätte.

Mit 100 Beamten war die Polizei aufgrund der Anzeige des Hauseigentümers, der Bahn, unter der Bahnbrücke nahe Hauptbahnhof angerückt, „um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein“, wie Bode sagte. Erfahrungswerte bei der Räumung des Hauptzollamts in der Innenstadt und der Alten Post am Hansaring vor wenigen Jahren hätten gezeigt, dass das sinnvoll sein könnte.

„Es war eine illegale Hausbesetzung“, so Bode. Es habe eine Anzeige der Bahn vorgelegen. Die Polizei habe die Personalien der vier Aktivisten vor Ort aufgenommen und ihnen einen Platzverweis erteilt. „Ob bei den Ermittlungen noch andere Täter zutage treten, wird sich zeigen.“

Unterstützung durch Grüne

Um mehr über die Beweggründe zu erfahren, hatten vor wenigen Tagen drei münstersche Grünen-Politiker mit den Hausbesetzern gesprochen und Unterstützung signalisiert.

Bevor die Aktivisten am Donnerstag ihre ursprünglich geplante „Tanzdemo“ veranstalten konnten, stand die „Zentrale“ schon wieder leer. „Statt gegen diejenigen Investoren zu ermitteln, die seit Jahren das Hansaviertel unsicher machen, wird der Widerstand gegen die neoliberale Stadtpolitik kriminalisiert“, kritisierte die Gruppe. Zeitgleich ist nach ihren Angaben gestern in Köln das besetzte Bahn-Gebäude „Elster“ geräumt worden.

Am Mittwochabend sprach der münstersche Grünen-Politiker Stephan Orth von legitimen Anliegen der Aktivisten. „Kulturelle Establishmentorte“ wie das Theater reichten nicht, sagte er und dankte den Besetzern, sie zeigten die Vielfalt der Stadt auf.

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