Polizeipräsident in Ruhestand versetzt
Wegen Fehler bei der Aufklärung eines Missbrauchskomplexes in Northeim, der in Zusammenhang steht mit den Verbrechen auf dem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe), ist der Göttinger Polizeipräsident in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Trotz Hinweisen auf schweren Kindesmissbrauch sei ein heute 49-Jähriger Tatverdächtiger erst Monate später festgenommen worden. Er hatte engen Kontakt zum Haupttäter von Lügde.

Bei den Ermittlungen in Northeim ging es um zwei Männer, die in Verbindung zum Haupttäter der Missbrauchsserie auf dem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) standen.

 Innenminister Boris Pistorius (SPD) habe Lührig zuvor persönlich über diesen Schritt informiert und sich bei ihm für die geleisteten Dienste bedankt. Eine offizielle Begründung für den Schritt wurde nicht genannt. Innerhalb der Polizei wird die Versetzung in den einstweiligen Ruhestand strittig gesehen. Niedersachsens Polizeipräsident Axel Brockmann hatte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ („HAZ“) gegenüber Versäumnisse eingeräumt. Demnach erhielt die Polizei in Northeim schon im Frühjahr 2019 Hinweise auf mögliche Sexualstraftäter, ging diesen aber nicht nach. Zu einer Festnahme kam es erst ein Jahr später.

Einer der Männer, ein 49-Jähriger aus dem Landkreis Northeim, war im März 2020 festgenommen worden. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. Der zweite Mann ist auf freiem Fuß.

Im Herbst 2019 hatte das Landgericht Detmold im Missbrauchsfall Lügde zwei Männer zu langjährigen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Sie hatten auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen 32 Kinder jahrelang schwer sexuell missbraucht.

Nach Angaben von Polizeipräsident Brockmann richtete das Innenministerium nach der Festnahme des 49-jährigen Tatverdächtigen eine Expertengruppe ein, die mögliche Versäumnisse bei der Polizei in Northeim und der verantwortlichen Polizeidirektion Göttingen prüfen sollte. Die Kommunikation zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sei „nicht eindeutig“ gewesen, hatte er der „HAZ“ gesagt. Strafrechtlich gebe es keine Vorwürfe, mögliche dienstrechtliche Folgen würden von der Polizeidirektion geprüft.

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