Programm gegen Jugendkriminalität startet
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NRW-Innenminister Ralf Jäger hat am Montag in Bielefeld über das Projekt „Kurve kriegen“ informiert, das nun seine konkrete Arbeit aufgenommen hat.
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Mit dem Programm „Kurve kriegen“ sollen die Jugendlichen möglichst früh Hilfe und Unterstützung bekommen, wie Jäger weiter erklärte. Die vorgesehenen pädagogischen Fachkräfte sind gerade ausgewählt worden. Sie werden in den nächsten Tagen die Teams der Polizei verstärken. Polizei und Kommune arbeiten in diesem Projekt eng zusammen. Neben Bielefeld wird die NRW-Initiative in Aachen, Dortmund, Hagen, Duisburg, Köln sowie im Rhein-Erft-Kreis und dem Kreis Wesel umgesetzt. Die Polizei erfährt als erstes davon, wenn Kinder Straftaten begehen. Deshalb soll den Modellbehörden ermöglicht werden, gezielt und umsichtig zu helfen, damit Kinder und Jugendliche noch die „Kurve kriegen“.

Auf Straftaten folgen soziales Training und pädagogische Betreuung

Die Teams aus Polizei und pädagogischen Fachkräften kümmern sich um strafunmündige Kinder, die zum Beispiel innerhalb der vergangenen zwölf Monate durch eine Gewalttat oder drei schwere Eigentumsdelikte aufgefallen sind. Auf jede Straftat soll unverzüglich eine pädagogische Maßnahme folgen. Dafür gibt es in Absprache mit den Jugendämtern maßgeschneiderte Angebote - vom sozialen Training bis hin zur intensiv pädagogischen Betreuung in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe.  „Die Teams beziehen die Eltern der betroffenen Kinder und Jugendlichen mit ein. Sie spielen eine entscheidende Rolle“, erläuterte Jäger in Bielefeld. Die intensive Betreuung soll mindestens zwei Jahre dauern. Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe sowie therapeutische Hilfen erfolgen wie bisher über das zuständige Jugendamt.

„Entwicklung in jungen Jahren beeinflussen“

2010 gab es in Nordrhein-Westfalen 3969 mehrfachtatverdächtige Kinder und Jugendliche, die rund 30.000 Straftaten begangen haben. Damit verübten sechs Prozent der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen fast ein Drittel aller Straftaten ihrer Altersgruppe.

Erfahrungen zeigen, dass Intensivtäter häufig im Kindesalter Straftaten begehen. „Hier müssen wir frühzeitig mit individuellen Programmen ansetzen. In jungen Jahren können Entwicklungen mit guter Aussicht auf Erfolg beeinflusst werden“, erläuterte Jäger. Das Konzept basiert auf den Erkenntnissen der Enquetekommission „Prävention“, die im vergangenen Jahr dem Landtag NRW ihren Abschlussbericht vorgelegt hat.

Sind die Lebensumstände eines Kindes von Gewalt geprägt, spiegelt sich dies in seinem Verhalten. Schlägt es beim kleinsten Anlass zu, kann es beispielsweise durch ein Coolness-Training lernen, sich nicht provozieren zu lassen, sondern mit Konflikten besser umzugehen. Ohne Unterstützung läuft für viele dieser Kinder die Spirale immer weiter nach unten. Aus diesem Grund sind auch präventive Maßnahmen wie beispielsweise Lernhilfen, Sprach- oder Sportkurse vorgesehen, die zu einer dauerhaften Eingliederung in die Gesellschaft führen.

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