Prozess um Entmannung in Bielefeld eröffnet
Vor dem Bielefelder Landgericht muss sich seit Mittwochmorgen ein 47-Jähriger verantworten, der den Liebhaber seiner Tochter entmannt haben soll.

Zudem räumte der 48 Jahre alte Beschuldigte erneut ein, den 58-jährigen Liebhaber seiner Tochter entmannt zu haben. In einem Brief an die Staatsanwaltschaft erhob auch die Tochter Vorwürfe gegen ihren Ex-Geliebten. Der Senior habe sie sexuell genötigt und vergewaltigt. Der Entmannte hingegen verlangt Schmerzensgeld in Höhe von 150.000 Euro.

Der Tathergang: Am 2. November 2010 überwältigt und fesselt der Angeklagte den Liebhaber seiner Tochter gemeinsam mit zwei Komplizen in dessen Wohnung. Mit einem Messer oder Skalpell werden ihm anschließend beide Hoden abgeschnitten. Dann ruft der Angeklagte seine Ehefrau an, um den Notarzt zu alarmieren. Der stark blutende, schwer verletzte Senior überlebt. Wer dem Vater bei der Entmannung half, ist unbekannt.

Der 58 Jahre alte Großvater einer Schulfreundin der Tochter bestritt, jemals Gewalt gegen die 17-Jährige angewendet zu haben. "Zwischen uns, das war die große Liebe", versicherte er vor Gericht. Er habe seine Frau, mit der er fünf Kinder hat, nach 36 Jahren Ehe verlassen. Die Tochter selbst will in dem Prozess nicht aussagen. Eine Sozialarbeiterin aus der Schule der Tochter sagte am Mittwoch aus, die Jugendliche habe nie über Zwang berichtet. Sie sei hin und her gerissen gewesen zwischen ihrem Geliebten und der Familie.

Verteidigung und Nebenklage wollen nun über einen Täter-Opfer-Ausgleich verhandeln. Nebenklage-Anwalt Harald Schlüter sieht dafür Chancen: Der Täter habe die Tat gestanden, sich entschuldigt und nun einen Ausgleich angeboten. An diesem Freitag geht der Prozess weiter.

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