Prozess um PFT-Skandal eröffnet
Der Angeklagte Ralf W. muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht in Paderborn wegen schwerer Umweltdelikte verantworten.

Der Skandal war 2006 aufgeflogen. Der Schlamm war zuvor illegal aus Belgien importiert worden. Die darin enthaltenen Perfluorierten Tenside (PFT) stehen im Verdacht, Krebs zu erregen. Die Chemikalie gelangte entlang der Ruhr ins Trinkwasser. Der Schaden geht in die Millionen.

Das Gericht hat sich auf ein Mammutverfahren eingestellt und Termine bis zum Ende des Jahres geblockt. Der erste Verhandlungstag begann mit Besetzungsrügen der Verteidigung. Darüber will die Strafkammer später entscheiden. Die Staatsanwaltschaft hat 43 Zeugen und 18 Gutachter aufgeboten, um ihre Vorwürfe zu belegen. Die Angeklagten werden von 16 Verteidigern vertreten.

Wissenschaftler hatten im Jahr 2006 im Rhein bei Duisburg erhöhte Werte der Industriechemikalie entdeckt. Sie kamen so einem der größten Umweltskandale in NRW auf die Spur.

Die Ursachensuche führte damals ins Sauerland. Von dort waren die Perfluorierten Tenside über Möhne und Ruhr in den Rhein gelangt. Der möglicherweise krebserregende Stoff war als sogenannter Bodenverbesserer auf Äckern verteilt und vom Regen ausgewaschen worden.

Komplettes Feld ausgekoffert

Das hatte fatale Folgen: In Arnsberg war das Wasser zeitweise so hoch belastet, dass die Stadtwerke abgepacktes Trinkwasser für Säuglinge und Schwangere austeilten. Wasserwerke entlang der Ruhr mussten Millionen Euro in neue Filter investieren.

Millionenbeträge kostete auch die Sanierung von belasteten Äckern. In Rüthen (Kreis Soest) wurde ein komplettes Feld ausgekoffert und der Boden ausgetauscht.

Hauptverantwortlicher ist für die Bielefelder Staatsanwaltschaft ein 42-jähriger Unternehmer aus Borchen (Kreis Paderborn). Neben ihm sitzen noch sein Betriebsleiter und drei Männer und eine Frau aus Belgien wegen „Verunreinigung von Boden und Gewässern sowie unerlaubten Umgang mit gefährlichen Abfällen“ auf der Anklagebank.

Der mittlerweile insolvente Firmeninhaber soll in seinen Betrieben in Borchen und in Bleicherode (Thüringen) Düngemittel für die Landwirtschaft ohne entsprechende Genehmigung mit aus Belgien importierten Industrieklärschlämmen vermischt haben. Den als „Bodenverbesserer“ angepriesenen Dünger soll die Firma an Landwirte in mehreren Bundesländern geliefert haben.

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