Prozess um vertauschte Urnen vertagt
Urnen stehen in einem Ausstellungsraum eines Bestatters. Ein Prozess um vertauschte Urnen in Blomberg wurde am Mittwoch vertagt. 

Er soll erst eine Urne vertauscht haben. Um dies zu vertuschen habe er es dann mit einem klassischen Etikettenschwindel probiert, der allerdings aufgeflogen sei. Weil die Verteidigung neue Beweisanträge stellte, wurde der Prozess zunächst einmal auf unbestimmte Zeit vertagt.

Rückblende: Am 25. Juli 2012 holt der Bestatter zwei Urnen mit Asche aus dem Krematorium Hameln ab. Am nächsten Tag soll eine der beiden Urnen beigesetzt werden. Den Termin hat der Bestatter der Familie L. gerade bestätigt. Auf einer Urne habe dann am Tag der Bestattung die obligatorische Etikette gefehlt, sagt der Angeklagte. Er habe aber im festen Glauben gehandelt, dass es sich um die Asche des Verstorbenen Herrn L. handle, beteuert der 58-Jährige, seit 45 Jahren in der Bestatterbranche.

Der trauernden Familie fällt schon bei der Beisetzung die falsche Schmuckurne auf, in der die Ascheurne steckt. "Ich hatte so eine silberfarbene Urne ausgesucht, mit Röschen. Die Urne hatte aber jetzt ein ägyptisches Muster", sagt die Witwe am Rande der Verhandlung. Auf Nachfrage habe der Bestatter geantwortet, sie solle ihren Gatten doch in Frieden ruhen lassen. Zudem habe er einen Preisnachlass angeboten. "Das geht doch gar nicht." Sie solle doch später mal in dem Doppelgrab liegen, und da wüsste man doch schon gerne, mit wem.

 Einige Tage später holt der Bestatter wieder eine Urne beim Krematorium ab, diesmal ist es die Asche von Herrn L.. Familie L. hat die beigesetzte Urne inzwischen exhumieren lassen. Der Schamottstein mit Nummer, der jedem zur Verbrennung bestimmten Sarg beigegeben wird, bringt Sicherheit. Im Grab lag nicht die Asche von Herrn L., sondern die von Frau H., auf keiner der Urnen eine Etikette.

Die Sätze des Angeklagten und seines Verteidigers werden immer wieder von lauten Kommentaren aus dem Zuschauerraum begleitet, Zweifel, Wut und Hohn der Angehörigen. Der Bestatter sagt, er habe keine Etikette entfernt. Die müssten abgefallen sein, durch starke Hitze etwa. Der Richter spricht von vielen Zufällen, dass gleich zwei Etiketten durch die Hitze im Juli 2012 abgefallen sein sollen. Der Leiter des Krematoriums hält das für sehr unwahrscheinlich. Am Ende stellt die Verteidigung Beweisanträge. So soll ein Gutachten klären, ob die Etiketten auf Ascheurnen sich bei starker Sonneneinstrahlung lösen.

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter gab es 2012 in Deutschland 860 000 Bestattungen, davon 460 000 Feuerbestattungen. "Vielleicht zwei bis dreimal im Jahr erfahren wir davon, dass Urnen vertauscht wurden", sagte Verbandssprecher Rolf Lichtner. „Damit wissen wir aber nicht, ob es nicht noch mehr Fälle gab." Irrtümer soll die Spezialetikette auf der Ascheurne verhindern. Allerdings: “Ich habe noch nie davon gehört, dass sich so ein Aufkleber gelöst hat", sagte Lichtner. Sonneneinstrahlung als Ursache halte er nicht für schlüssig.

Wann es in Blomberg weitergeht, ist offen. Beendet wurde dagegen der Prozess gegen einen Bestatter in Bad Kreuznach, der ebenfalls die falschen Urnen begrub - und das gleich 20 Mal. Weil der geständige Mann dies in voller Absicht tat, wurde er zu eineinhalb Jahren Gefängnis mit Bewährung verurteilt.

SOCIAL BOOKMARKS