Rekruten-Misshandlung erneut vor Gericht
Mehr als 150 sind nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in der Freiherr vom Stein Kaserne in Coesfeld  gedemütigt, misshandelt, verhöhnt worden. Der Prozess um die Vorfälle wird neu aufgerollt.

Dann steht ein Teil der Verantwortlichen in Münster erneut vor Gericht. Sie waren damals mit Freisprüchen oder Geldstrafen davongekommen.

Das schwer Fassbare an diesem Fall ist, dass keiner der schikanierten Soldaten von Coesfeld seine Vorgesetzten angezeigt hat. "Es hat keinen Strafantrag eines Geschädigten gegeben", erinnert sich Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer. "Sie haben sich größtenteils nicht als Geschädigte gefühlt." Man kann das noch drastischer sagen: Als Zeugen im Prozess sprachen manche der getriezten Soldaten von einem "Highlight" in ihrer Ausbildung, waren davon begeistert. Erst als einer der Betroffenen seinen Kollegen in einer anderen Dienststelle davon erzählte, kam der Fall ins Rollen. Die Staatsanwälte rückten an. "Die Bundeswehr hat das Verfahren selbst initiiert", so Schweer.

Im ersten Verfahren standen noch 18 Offiziere und Unteroffiziere wegen der Vorfälle vor Gericht. Neun wurden verurteilt, sechs freigesprochen, gegen drei wurde das Verfahren wegen geringer Tatbeteiligung eingestellt. Die Staatsanwaltschaft focht damals sieben Entscheidungen an - erfolgreich. Bei diesen sieben Angeklagten rollte der Bundesgerichtshof das Verfahren neu auf.

Die Karlsruher Richter prangerten dabei mehrere juristische Fehler im damaligen Urteil des Landgerichts Münster an. Zum einen sei jeder Beteiligte des Überfalls als Mittäter für die gesamte Aktion verantwortlich, auch wenn er nicht an den Misshandlungen selbst teilgenommen habe. Zum anderen habe das Landgericht Unteroffizieren zugutegehalten, sie seien irrtümlich von der Rechtmäßigkeit der Übung ausgegangen.

Nun muss das Landgericht Münster in diesen Fällen neu entscheiden. Es sind sieben Verhandlungstage bis 30. Juni eingeplant.

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