SC Paderborn und Arminia unter Zugzwang
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Am Boden: Paderborns Torwart Daniel Heuer Fernandes.
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Klassenerhalt in der 2. Bundesliga auf den letzten Metern einer Katastrophen-Saison oder erstmaliger Absturz in die Drittklassigkeit seit 2008? Die Lage ist ernst – aber noch nicht aussichtslos. Vor dem Heimspiel an diesem Freitag gegen Union Berlin (18.30 Uhr, Benteler-Arena) beträgt der Rückstand auf den rettenden 15. Platz vier Punkte, der auf Relegationsrang 16 einen Zähler. „Jedem ist die Ausgangslage bewusst. Wir können uns nicht auf die Konkurrenz verlassen, sondern müssen uns selbst helfen“, sagt Trainer René Müller, der gegen den Tabellenneunten aus Berlin heute von seiner Mannschaft „einen kühlen Kopf und ein heißes Herz“ erwartet und nach der enttäuschenden 1:2-Pleite in Braunschweig vor zwei Wochen vor allem zwei Dinge fordert: „Wir müssen kaltschnäuziger vor dem Tor werden und in brenzligen Situationen kompromisslos agieren.“

Im Falle des drohenden Abstiegs stünde der SC Paderborn im Sommer wohl vor einem kompletten Neuanfang. Mit den Winter-Neuzugängen Tim Sebastian und Robin Krauße sowie dem 18-jährigen Nachwuchs-Torhüter Jonas Brammen besitzen lediglich 3 der 30 Paderborner Profis einen Vertrag für die 3. Liga. Die anderen 27 Akteure könnten den Verein ablösefrei verlassen. Und nicht nur das: Auch finanziell hätte der Abstieg drastische Auswirkungen: Allein an Fernsehgeldern würden die Ostwestfalen rund zehn Millionen Euro verlieren.

Noch hat es die Mannschaft in der Hand, dieses Horror-Szenario abzuwenden. Siege müssen her, ei Dreier heute gegen Union Berlin ist Pflicht. Abwehrchef Tim Sebastian hat sich nach überstandener Blessur im Training zurückgemeldet und wird in der Startelf stehen. Auch Rechtsverteidiger Khaled Narey kehrt nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre in den Kader zurück. Der SCP erwartet heute Abend etwa 9000 Zuschauer.

Auf der Bielefelder Alm herrscht eine bemerkenswerte Ruhe

Wenige Kilometer weiter, in Bielefeld, geben die bloßen Zahlen zwar ebenfalls Anlass zur Sorge. Dennoch ist es rund um die Schüco-Arena bemerkenswert ruhig. Nur elf Punkte in den elf Rückrundenspielen, seit acht Partien ohne Sieg: Arminia Bielefeld kommt in der 2. Liga nicht vom Fleck und muss vor dem Auswärtsspiel beim SV Sandhausen (Samstag 13 Uhr) weiter um den Klassenerhalt bangen. Von Hektik aber keine Spur – weder in der Mannschaft noch bei den Fans. Die defensive Stabilität ist Arminias größter Trumpf im Abstiegskampf. Gerade erst zollte Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel den Ostwestfalen nach dem 0:0 seinen Respekt: „Man hat gesehen, warum Arminia in dieser Saison so wenige Spiele verloren hat. Es ist immer schwer, gegen Bielefeld Tore zu schießen.“

Nach dem 0:0 gegen Düsseldorf muss sich die Bielefelder Arminia auswärts in Sandhausen beweisen.

Der DSC kassierte erst sieben Niederlagen in 28 Spielen, lediglich zwei mehr als Tabellenführer SC Freiburg und der Zweite RB Leipzig. Sechs Spieltage vor Saisonende beträgt der Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz sechs Punkte – kein Ruhepolster, aber auch kein Grund zur Panik. „Wachsam sein“ müsse man, betont Sportchef Samir Arabi und sieht ausreichend Qualität, um den Klassenerhalt bald perfekt zu machen.

Im Spiel gegen den Ball verfügt der DSC über diese Qualität, mit dem Ball ging zuletzt aber nur wenig. Von den drei Winter-Neuzugängen Francisco Rodriguez, Seung-Woo Ryu und Andreas Voglsammer hatten sich die Verantwortlichen eine Verbesserung der spielerischen Qualität versprochen. Die blieb bis auf wenige Ansätze jedoch aus. Wenn dann noch Fabian Klos Ladehemmung hat wie zuletzt und auch von den in der 3. Liga noch gefürchteten Standardsituationen kaum Torgefahr ausgeht, hat Arminia ein Offensivproblem. „Wir können Fußball spielen. Jetzt müssen wir uns auch trauen, Fußball zu spielen“, fordert Trainer Norbert Meier nach der schwachen zweiten Halbzeit beim 0:0 gegen Düsseldorf mehr Mut von seiner Mannschaft. Ob’s klappt in Sandhausen? Beim nur zwei Punkte besseren Tabellennachbarn können die Arminen am Samstag einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machen.

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