Schockierende Verkehrserziehung in der Klinik
Bild: Kutzendörfer
Christian Wessels (r.), stellvertretender Leiter der Intensivstation im Clemenshospital Münster, informierte die Schülergruppe über die Versorgung von Schwerstverletzten – allerdings nur anhand einer Puppe.
Bild: Kutzendörfer

Jetzt stehen die Neuntklässler des Paulinums um ein Krankenbett auf der Intensivstation des Clemenshospitals und erfahren, wie ein Schwerverletzter versorgt wird. Die Unfallursachen sind oft ähnlich: Raserei, Trunkenheit, das Smartphone am Ohr. Um junge Leute vor Verkehrsunfällen zu bewahren, wollen Unfallchirurgen sie noch vor dem Erwerb des Führerschein einer Art Schocktherapie aussetzen. Das Präventionsprogramm „Party“ („Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth“) der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und der Akademie der Unfallchirurgie wird in dieser Woche in 13 deutschen Kliniken angeboten. „In Nordrhein-Westfalen machen Köln und wir mit“, sagt Dr. Timm Schmidt-Mertens, Facharzt an der Klinik für Unfallchirurgie am Clemenshospital, das die Idee auch in Zukunft verfolgen will. Von der Einlieferung eines Verletzten bis zu seiner Versorgung im Krankenbett soll 15- bis 18-Jährigen die Folgen von zu schnellem Fahren (die häufigste Unfallursache bei jungen Leuten) und dem Fahren unter Drogen vor Augen geführt werden. Ganz wie bei einem richtigen Unfall fährt der Rettungswagen am Clemens vor, die münsterschen Schüler lassen ihn sich erklären, probieren eine Trage aus und laufen dann mit zur Versorgung im Schockraum. „Der Schockraum war ganz schön heftig“, berichten Johannes und Jan-Ole später. Ihr Klassenkamerad Paul beschäftigt noch das Überbringen der Todesnachricht an Verwandte. Polizist Udo Weiß hat diese Aufgabe bereits mehrfach auf sich genommen. Mediziner Christian Wessels beschreibt auf der Intensivstation mit Hilfe einer Puppe die Überwachung des Patienten. „Hier schauen wir nach: Wie schwer ist er verletzt? Geht er in den OP? Für den Fall, dass ein Halswirbel angebrochen ist, bekomme der Verunglückte einen Kragen. „Wir können die meisten retten, aber nicht alle“, erzählt der Arzt auf Nachfrage einer Schülerin. „Wenn jemand stirbt, muss man lernen, damit umzugehen.“ Dann steht Mike Helling bereit, um Auskunft zu seinem Unfall zu geben. Er war in Münster vom Auto angefahren worden, der Fahrer floh. „Vier Monate hab ich hier gelegen“, erzählt der 23-Jährige. „Beide Oberschenkel waren gebrochen.“ Lange habe es gebraucht, bis er sich erholt hat.

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