Skelette zeugen von früher Domgemeinde

Sieben Gräber in der heutigen Südturmkapelle wurden nun bei den Grabungen freigelegt, die die Renovierungsarbeiten begleiten. „Die Grabstellen stammen wahrscheinlich aus dem zwölften Jahrhundert und gehörten zu einem Friedhof der Domgemeinde. Er zog sich rund um die Kirche, aber sein Schwerpunkt lag wohl im Norden“, erklärt Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers.

Spuren einer fast vergessenen Kapelle: Bei Grabungen in der Sakristei kamen Mauern der Vorgängerbauten des Doms zutage.

Zwar habe sie der Erhalt der Ruhestätte überrascht, eine Sensation seien die Skelette aber nicht. „Es war ja völlig normal, dass die Gemeindemitglieder in der Nähe ihrer Kirche bestattet wurden.“ Zur Zeit ihrer Beerdigung stand der zweite Dom Münsters, erbaut Ende es zehnten Jahrhunderts und eingerissen um 1225 für den Bau des dritten und heutigen Doms. „Wir haben die Überreste anthropologisch untersuchen lassen, um etwas über das Alter, den Gesundheitszustand und die Lebensweise der damaligen Menschen zu erfahren“, sagt Aurelia Dickers. Diese Ergebnisse stehen noch aus, die Skelette selbst werden jetzt wieder beigesetzt.

Gerüste mit einem Volumen von 30 Einfamilienhäusern sind im St. Paulus-Dom in Münster aufgebaut.

Zusätzlich entdeckten die Archäologen zwei prominentere Grabstellen: Die des Domherrn Johann Rotger Torck, verstorben im Jahr 1686, und die eines Angehörigen des Domklerus aus dem 15. Jahrhundert. Momentan laufen Grabungen in der Sakristei, bevor dort der Fußboden saniert wird. Fundamentreste weisen auf die frühere St. Anna-Kapelle hin, die um 1400 bestanden hat. Außerdem hoffen die Archäologen, den Standort eines alten Kreuzgangs nachweisen zu können.

Davon abgesehen haben vor allem die Handwerker das Sagen. Auf Gerüsten mit einem Volumen von 30 Einfamilienhäusern ist ihnen jeder Winkel des Doms zugänglich, um die Wände zu säubern und zu streichen sowie Beleuchtung und Tontechnik zu erneuern. Zur Adventszeit soll der Dom wieder zugänglich sein.

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