Skulptur: Eröffnung und Guerilla-Aktion
Bild: Zinke
Ihm gebührte die offizielle Eröffnung: Prof. Kasper König, zum fünften Mal Kurator der Skulptur Projekte in Münster.
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„Rote Socke“, so nannte Königs bürgerliche münstersche Familie einst leicht pikiert den Kunsthistoriker Klaus Bußmann, mit dem ihr Sohn 1977 die erste Freiluft-Skulpturenschau realisierte – und Zweifel und Befremden erntete. Heute ist von Naserümpfen keine Spur mehr: Hunderte Gäste umringen die Erfinder der Skulptur-Projekte, mittlerweile beide Ende 70, und applaudieren ihnen begeistert. Eine ebenso riesige Menschenmenge steht vor den Türen des Museum und verfolgt das Ganze auf der Großleinwand.

„Maximale Herausforderung ist maximaler Freude gewichen“ bringt es Monika Grütters auf den Punkt. Die Staatsministerin für Kultur und Medien (CDU) genoss ihr Heimspiel. Sie stammt aus Münster, verfolgt die Entwicklung der Skulptur Projekte seit Jahrzehnten und hat sich eigens direkt von der Documenta aus Kassel einfliegen lassen. „Das Chaos der Kunst passt zum heutigen Münster. Hier hat man sich mit der Schau nicht nur arrangiert, sondern identifiziert.“

Mit König, den Kuratorinnen Dr. Marianne Wagner und Britta Peters sowie Georg Elben, der als Leiter des Skulpturenmuseums Glaskasten in Marl die dortige Außenstelle der Skulptur Projekte betreut, haben diesmal Menschen aus drei Generationen das internationale Kunstereignis ins Leben gerufen. „Wir haben 40 Künstler gefragt, einen Beitrag zu leisten, 35 sind nun dabei. Das beweist, dass wir ein ganz gutes Gespür für die Ausstellung haben“, sagt Britta Peters.

116 Tage sind die Werke nun zu sehen, vom sommerlich erfrischenden Unterwasser-Steg von Ayse Erkmen bis zur Bar hinter Motiven des Prinzipalmarkts – „Peles Empire“ von Katharina Stöver und Barbara Wolff. Alle sind offen und kostenlos zugänglich für Kenner, Neugierige und Zufallsgäste. „Wir freuen uns über Lob, aber auch über ehrliche Kritik“, sagt Dr. Marianne Wagner. Nach Ablauf der Ausstellung wird nur ein kleiner Teil der Skulpturen aufgebaut bleiben. „Ansonsten würde ein Museum entstehen, das wir gar nicht unterhalten könnten. Aber bürgerschaftliches Engagement für den Erhalt einiger Werke ist uns lieb.“

Für Kasper König ist die Eröffnung nur ein kleiner Schritt. „Wir sind keine Skatrunde und sagen: ‚Was liegt, liegt‘. Alles ist in Bewegung, die Kriterien müssen sich finden.“ Erst in einigen Jahren werde sich zeigen, was die Skulptur Projekte 2017 bewirkt haben. „Aber jetzt feiern wir erstmal wie auf einem Rockkonzert, 40 000 kommen mit zum Hawerkamp und tanzen“, lädt der Kurator zur Party nach dem Festakt ein. Dabei seien auch diejenigen, die die Skulptur Projekte in zehn und 20 Jahren stemmen werden.

Vor dem Museum für Kunst und Kultur verursachte ein ganz anderes Werk Irritationen: In der Nacht zu Samstag wurde das Logo des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), großer Geldgeber der Skulpturenschau, in einer Guerilla-Aktion verhängt. Es ist in der Installation „Silberne Frequenz„ von Otto Piene angebracht, die die Fassade des Museums ziert.  Diese Werbung ist nicht unumstritten. Mit der Verhüllung ist nun die Debatte, ob ein Kunstwerk mit Reklame noch ein Kunstwerk ist, erneut entbrannt.

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