Sonde fotografiert Pluto nah wie nie

Aus einer Distanz von etwa 2,5 Millionen Kilometern  hat die Raumsonde „New Horizons“ bereits beeindruckende Bilder vom Pluto zur Erde gefunkt.

Das Besondere: „Pluto ist ein Himmelskörper, der noch nie aus der Nähe angeschaut wurde. Ein vollkommen unbeschriebenes Blatt“, so der Leiter des Planetariums im Museum für Naturkunde des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL)  weiter.

Dr. Björn Voss
Nicht nur die Beschaffenheit von Pluto selbst ist bis heute unbekannt, sondern auch die sämtlicher anderer

Pluto wurde 1930 von dem US-Amerikaner Clyde Tombaugh entdeckt. Der etwa minus 230 Grad kalte Pluto ist eine Art Eiszwerg, wie sie zu Zigtausenden bei der Entstehung des Sonnensystems übrig geblieben sind und seitdem den  Kuipergürtel bilden. Bislang haben Forscher nur fragmentarisches Wissen über Pluto, das vor allem von Bildern des Hubble-Weltraumteleskops stammt.

Zwergplaneten am Rand des Sonnensystems. „Mit Erkenntnissen über Pluto kriegen wir also erstmals in der Raumfahrtgeschichte Erkenntnisse über diese bislang unerforschte Gruppe von Himmelskörpern“, sagt Voss.

Allein die schiere Dauer der Mission ist beeindruckend: im Juni 2006 mit einer Rekordgeschwindigkeit von 15 Kilometern pro Sekunde von Cape Caneveral ins All geschossen, wird „New Horizons“ wohl noch bis nach 2025 Daten über den interstellaren Weltraum jenseits unseres Sonnensystems sammeln. Voss: „So weit sind bis jetzt erst vier Raumsonden gekommen. Fast alles, was sonst von Menschenhand in den Weltraum geschickt wird, kreist um die Erde.“

Es gibt nur eine Chance

Je nach Stand der Planeten liegen zwischen Erde und Pluto etwa 4,3 bis 7,5 Milliarden Kilometer.
Wenn sich „New Horizons“ am Dienstag mit etwa 12.500 Kilometern den geringsten Abstand zu Pluto erreicht, hat die Sonde nur wenig Zeit, Fotos zu schießen und Daten zu sammeln - denn Bremsen ist unmöglich. „‚New Horizons‘ ist so groß wie ein kleines Klavier und wiegt 500 Kilogramm", verdeutlicht Voss diesen Umstand. „Wenn sie Treibstoff und Technik zum Bremsen transportieren würde, müsste sie die Größe eines 30-Tonnen-Lkws haben.“ Viel zu groß, um Milliarden Kilometer zurücklegen zu können.

Sollte etwas am Dienstag nicht klappen, gibt es also keine zweite Chance. Bei einer Geschwindigkeit von 14 Kilometern pro Sekunde bringt die Sonde schon die Kollision mit einem Staubteilchen ins Trudeln und würde damit Fotografieren unmöglich machen.

Keine Live-Übertragung der Bilder

Auch wenn sich am Rand unseres Sonnensystems ein echter Wissenschaftskrimi abspielt, müssen sich Wissenschaftler und Interessierte auf der Erde in Geduld üben. Voss: „Was ‚New Horizons‘ macht, kann man nicht live wie bei einer Sportübertragung verfolgen." Denn die Raumsonde funkt nur in unregelmäßigen Abständen zur Erde. Geht alles gut, wird es etwa zwei bis drei Monate dauern, bis sämtliche von „New Horizons“ geschossenen Fotos und gesammelten Daten zur Nasa übertragen worden sind. Die ersten Bilder, quasi ein Appetithappen, erwarten die Planetenforscher in den frühen Morgenstunden des 16. Juli.

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epa04846351 A handout picture made available by NASA shows members of the New Horizons science team reacting to seeing the spacecraft's last and sharpest image of Pluto before closest approach later in the day, at the Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory (APL) in Laurel, Maryland, USA, 14 July 2014. EPA/BILL INGALLS / NASA / HANDOUT MANDATORY CREDIT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY +++(c) dpa - Bildfunk+++