Späte Tore und Tumulte nach dem Schlusspfiff
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"Heute: Derby in Absurdistan!" titelt ein Transparent in der osnatel-Arena in Osnabrück. Vor dem Spiel gab es eine Kundgebung von Preußen Münster-Anhängern gegen den Ausschluss von Gästefans in den Spielen gegen den VfL Osnabrück. Bei vorangegangenen Begegnungen der Teams hatte es wiederholt Ausschreitungen gegeben.
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Es lief die 90. Minute, als VfL-Kapitän Tobias Willers einen Freistoß von Amaury Bischoff in bester Stürmer-Manier ins eigene Tor lenkte. 1:2, die Preußen flippten aus, hatten den Derbysieg vor Augen. Doch das war noch lange nicht der Schlussakt in diesem verrückten Finale. Die letzte Aktion des Spiels nutzte Halil Savran in der 92. Minute zum 2:2-Endstand, dann ging es drunter und drüber.

Nach einem Sprung über die Werbebande lief der Osnabrücker Spieler Tom Merkens auf den Platz und stieß Amaury Bischoff zu Boden – eine späte Racheaktion für das böse Foul des Preußen-Spielmachers an ihm vor anderthalb Jahren? Merkens leidet noch heute an den Folgen des Sprunggelenkbruchs.

Weil das Spiel zu diesem Zeitpunkt nach Angaben von Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) bereits ordnungsgemäß beendet war, können die Preußen wohl keinen Einspruch gegen die Wertung einlegen. Gleichwohl müsse es Sanktionen gegen Merkens geben, betonte Preußens Sportvorstand Carsten Gockel: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir können nicht zulassen, dass einer unserer Spieler von Dritten attackiert wird.“

So erlebte das Derby erst nach Spielende seinen unrühmlichen Höhepunkt – zuvor war die Atmosphäre alles andere als prickelnd. Aus Münster war wegen des Ausschlusses der Gästefans bekanntlich (fast) niemand da, und die VfL-Anhänger hielten sich im sonst so emotionalen Nachbarschaftsderby derart zurück, dass man manchmal den Eindruck hatte, auf einem Dorfsportplatz bei einem Kick der Kreisliga B zu sein. Erst in der zweiten Halbzeit tauten einige der 8590 Fans auf.

So konzentrierte sich die Rivalität beider Clubs diesmal aufs Sportliche. Münsters Philipp Hoffmann egalisierte mit einem 28-Meter-Hammer (24.) den Rückstand durch einen ebenso sehenswerten Freistoß von Marcos Alvarez (7.). Unterm Strich ging das 2:2 in Ordnung. „Trotzdem bitter, mit der letzten Aktion des Spiels den Ausgleich zu kriegen“, sagte SCP-Trainer Loose.

Preußen-Fans demonstrieren friedlich für ihre Rechte

Kürzer als gedacht und harmloser als befürchtet fiel vor dem Spiel die Kundgebung der Preußen-Fans am Osnabrücker Bahnhof aus. Nach einer Beschwerde der Stadt Osnabrück wegen Sicherheitsbedenken untersagte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg gestern 90 Minuten vor Anpfiff den geplanten Demonstrationszug. Etwa 400 Teilnehmer kamen trotzdem zum Bahnhof, wurden von einem Großaufgebot der Polizei empfangen, protestierten gegen das Stadionverbot („Unvorstellbar für die Zukunft“) und fuhren bereits um 18.21 Uhrmit dem Zug zurück nach Münster. Bilanz der Polizei: Alles ruhig, alles friedlich.

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