Spielhallen beim Roulette „abgezockt“
Geplündert: Betrüger haben im großem Stil beim Automaten-Roulette an Gauslemann-Geräten Gewinne abgegriffen.

Das Unternehmen selbst hat mittlerweile Probleme eingeräumt: Roulette-Spieler hätten im Februar mit einer bestimmten Tastenkombinationen mit einem geringen Einsatz zu hohe Summen eingestrichen, bestätigte Gauselmann-Sprecher Mario Hoffmeister am Montag. Hoffmeister sprach von nicht regelkonformer Nutzung der Geräte und Computer-Betrug. „Da wurde eine Schwachstelle genutzt, davor ist man nie gefeit.“ Über die Höhe des Schadens kann das Unternehmen nach seiner Aussage nichts sagen.

Der „Spiegel“ berichtet detailliert darüber, wie mit wenigen Handgriffen und etwas Konzentration der Glücksspielautomat dazu gebracht werden kann, einen satten Gewinn auszuspucken - unabhängig davon, welche Zahlen beim Automaten-Roulette tatsächlich gefallen sind. Die Technik müssen demnach derartig viele Spieler beherrscht haben, dass in einer Nacht Mitte Februar deutschlandweit mehrere hundert Spielhallen so viele Gewinne auszahlen mussten, dass sie in Geldnot gerieten.

Schätzungsweise 100 000 Geräte in verschiedenen Spielhallenketten stammen deutschlandweit aus der Werkstatt des ostwestfälischen Unternehmens. Fast alle waren mit dem Roulette-Spiel ausgestattet, das manipuliert werden kann. Wie genau das funktonierte, war sogar via Internet und Videobotschaften weiterverbreitet worden.

Derzeit ist das Spiel auf allen Geräten gesperrt, bis ein neues, von der zuständigen Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) geprüftes Udate aufgespielt worden ist. Die PTB hatte auch die ursprüngliche Software getestet, aber keinen Fehler entdecken können.

Der „Spiegel“ mutmaßt, dass es sich bei dem Vorfall - entgegen der Gauselmann-Darstellung von einer „Zufallsentdeckung eines Kriminellen“ - um gezielte Sabotage gehandelt habe müsse. Dafür spräche, dass Gauselmann-Mitarbeiter selbst den Fehler aufgedeckt hätten und die Automatenaufsteller an dem Tag warnten, an dem die Zocker zuschlugen. Die Betreiber der Automaten seien aufgefordert worden, Anzeige zu erstatten, sagte Hoffmeister weiter.

Ein Sprecher der Polizei in Düsseldorf bestätigte neun Verdachtsfälle allein für die NRW-Landeshauptstadt. Dass es sich bei dem Missbrauch um einen bundesweit koordinierten Angriff gehandelt haben könnte, wie der „Spiegel“ gemeldet hatte, bestätigte der Polizeisprecher nicht. „Darauf gibt es noch keine Hinweise“, sagte er.

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