Stadtmuseum Münster zeigt alte Kinderspiele

Spielen kennt keine Altersgrenze: Kinder in einem Hinterhof im Kreuzviertel - dieses und viele weitere Fotos und Objekte zeigt die Ausstellung im Stadtmuseum Münster.

„Wer macht mit?“ heißt die Wanderausstellung, die dort bis zum 29. Juni Station macht – und der Titel ist durchaus ernst gemeint. Denn die alten Kinderspiele aus Westfalen, die das Museumsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zusammengetragen hat, dürfen zur Eröffnung am Samstag ab 16 Uhr und an jedem Sonntag auch getestet werden – Spielzeit ist dann jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Spielzeuge aus Abfällen

„Abfall von Töpfern, Schreinern oder Knochenschnitzern – mit solchen simplen Dingen haben sich Kinder wunderbar unterhalten können“, sagt Ulrich Neseker, der die Präsentation erarbeitet hat. Sehr alte Objekte finden sich allerdings kaum in der Ausstellung – die Materialien, aus denen Kinder im Mittelalter ihr Spielzeug bastelten, sind längst verfallen und tauchen bei keiner archäologischen Grabung mehr auf.

Im Haus gespielt wurde selten

Besser überliefert ist da, was im 20. Jahrhundert in Hinterhöfen, auf Straßen und in Gärten angesagt war – zum Beispiel das so genannte Bickeln, ein Geschicklichkeitsspiel mit kleinen Schafsknochen. Ein echtes Schmuckstück ist ein handgemaltes Monopoly-Spiel aus den späten 1940er-Jahren. „Fertige Gesellschaftsspiele waren teuer. Aber Monopoly war bis in die 50er-Jahre auf dem deutschen Markt gar nicht mehr zu bekommen“, erklärt Neseker. Die Idee aus den USA wurde in Deutschland 1937 verboten – der Handel mit Hypotheken habe zu deutliche jüdische Einflüsse. Im Haus gespielt aber wurde ohnehin nur selten: „Die Wohnverhältnisse waren beengt, und draußen konnte man sich viel besser der Kontrolle der Eltern entziehen“, sagt Neseker.

Knochen dienten als Schlittschuhe

Alte Fotos aus Münster zeigen tobende Kinder vor und in Kriegsruinen und planschend im Brunnen vor dem damaligen Kreishaus am Ludgeriplatz. Im Winter wurden Schweineknochen geschliffen und dienten – mit Bindfaden am Schuh befestigt – als Schlittschuh. Daher stammt ein Begriff, den heute kaum noch jemand herleiten kann: Das „Eisbein“.

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