Stalleinbrüche große Belastung für Bauern
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Mit dem Thema „Landwirtschaft global und regional“ befassten sich gestern Spitzenvertreter des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) in Bielefeld: (v. l.) Hubertus Beringmeier und Dr. Herbert Quakernack vom Landwirtschaftlichen Bezirksverband OWL und WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier.
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Das berichteten Spitzenvertreter des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) am Montag in Bielefeld.

Auf den Höfen von WLV-Präsident Johannes Röring (CDU) und von NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) im Münsterland trieben die selbst ernannten Tierschutzaktivisten bereits ebenso ihr Unwesen wie jüngst im Schweinestall von Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des WLV-Bezirksverbands Ostwestfalen-Lippe, in Hövelhof (Kreis Paderborn).

Selbsternannte Tierschützer gehen unhygienisch vor

Das Vorgehen folgt immer dem gleichen Muster. Nachts steigen die Einbrecher in den Stall ein und suchen dann – ausgerüstet mit Kameras – den Bereich auf, in dem kranke Tiere untergebracht sind.

„Nicht rundum gesunde Schweine ergeben nun einmal kein schönes Bild, sie gehören aber zur Realität“, führte Beringmeier gestern in Bielefeld aus. Er betreibt mit seiner Familie in Hövelhof einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 3500 Schweinen. Beringmeier beklagt, dass auf Seiten Eindringlinge nicht mit sauberen Mitteln gearbeitet wird.“

Um dem strengen Hygiene-Management zu genügen, arbeiten die Schweinemäster unter besonderen Bedingungen im Stall. „Dagegen ziehen die nächtlichen Einbrecher keinen Schutzoverall über“, kritisierte der WLV-Mann.

Landwirt spricht von Manipulation

Eingedrungen sind die Tierschutzaktivisten in den verschlossenen Stall vermutlich durch die Notfalltüren, die leicht zu öffnen sein müssen. In einem Abteil des Stalls war am Morgen nach dem Einbruch der Temperaturregler statt auf die sonst üblichen 22 Grad Celsius auf 40 Grad Celsius eingestellt. „Das ist dann Sabotage“, sagte Beringmeier.

Die Stalleinbrüche stellten eine große Belastung für die Bauernfamilien dar, sagte WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier. Für ihn ist es unverständlich, dass Gerichte in den neuen Bundesländern die illegalen Tätigkeiten der militanten Tierrechtler-Szene über die Persönlichkeitsrechte der Bauernfamilien gestellt hätten.

Die Enkel eines Seniorlandwirts seien im Kindergarten wegen der angeblichen Verstöße im Schweinestall gemobbt worden. Brüggemeier befürchtet, dass die militanten Tierrechtler den Rechtsstaat aushebeln. Der WLV habe folgende Auffassung von Recht: „Die Kontrolle im Stall macht der Staat – und nicht der nächtliche Einbrecher.“

2017: ein insgesamt gutes Jahr für die Landwirte

Auf ein insgesamt gutes Jahr 2017 blicken die Schweinehalter in der Region zurück. Das hat der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) gestern in Bielefeld deutlich gemacht.

Dabei hat Deutschland in den zurückliegenden zwölf Monaten (im Vorjahresvergleich) rund fünf Prozent weniger Schweinefleisch exportieren können. Ein wesentlicher Grund für diesen Trend: Die Chinesen kauften deutlich weniger Schweinefleisch in Deutschland ein, die Ausfuhren ins Reich der Mitte halbierten sich.

Probleme beim Absatz von Schweinefleisch

„Die Chinesen kaufen dort ein, wo es am günstigsten ist“, erklärte WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier. Auf dem Weltmarkt muss sich das eher hochpreisige deutsche Schweinefleisch gegen preisgünstigere Angebote behaupten. Sie kommen aus Kanada und den USA, aber auch aus Spanien, „das Deutschland in Sachen Schweinemast den Rang abgelaufen hat“, sagte Brüggemeier.

Auf der iberischen Halbinsel sei die Errichtung von Schweineställen nicht mit baurechtlichen Schwierigkeiten wie in deutschen Gefilden belastet. Drei Viertel des exportierten deutschen Schweinefleisches bleiben aber in der Europäischen Union (EU). Die größen Abnehmer in Europa sind die Niederlande und Italien.

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