Starke Unterschiede bei Kinderarmut
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Der Anteil von kleinen Kindern, die von Hartz IV leben, unterscheidet sich nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung stark nach Städten, Bundesländern und Regionen.
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Schon auf Länderebene weicht das Ausmaß der Kinderarmut erheblich voneinander ab. Nordrhein-Westfalen hat die höchste Armutsquote unter den westdeutschen Flächenländern. Im Jahr 2010 lebten in NRW 100.828 unter Dreijährige in Armut, was 22,7 Prozent aller Kinder dieser Altersgruppe sind.  Damit liegt Nordrhein-Westfalen sowohl über dem Bundesschnitt als auch über dem Durchschnitt der westdeutschen Bundesländer von 17,2 Prozent. Das Land, in dem prozentual die wenigsten unter Dreijährigen von Armut betroffen sind, ist weiterhin Bayern (10,1 Prozent).

 

Definition Kinderarmut: Grundlage der Analyse der Bertelsmann Stiftung ist die Definition, dass Kinder als arm gelten, die in Familien mit Bezug sozialstaatlicher Grundsicherungsleistungen (SGB-II-Bezug) aufwachsen. Alternativ ist Kinderarmut auf Basis des Nettoäquivalenzeinkommens von Familien quantifizierbar. Beide Ansätze treffen jedoch keine Aussage zu regionalen Unterschieden in den Lebenshaltungskosten.

Noch größer als zwischen den Bundesländern sind die Differenzen zwischen den Landkreisen und Städten. Innerhalb von NRW unterscheiden sich die Armutsquoten der Regionen zum Teil stark. So wuchsen nach den aktuellsten vorliegenden Regionaldaten im Jahr 2009 im Kreis Coesfeld 9,2 Prozent der unter Dreijährigen in Armut auf, im Kreis Recklinghausen war der Anteil mit 28,2 Prozent mehr als dreimal so hoch. In Gütersloh betrug die Armutsquote bei den unter Dreijährigen 12,7 Prozent (9,4 Prozent bei den unter 15-Jährigen). Im Kreis Warendorf waren 15,4 Prozent der Kinder unter drei Jahren von Armut betroffen (unter 15-Jährige: 11,1 Prozent). 

Insgesamt lebten 2010 in Deutschland 403.000 Kinder unter drei Jahren in Familien, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Das entspricht einer bundesweiten Armutsquote von 19,8 Prozent. Zwei Jahre zuvor hatte die Quote noch bei 21,2 Prozent gelegen. Im Vergleich zur Altersgruppe der unter Dreijährigen ist der Anteil aller Kinder unter 15 Jahren, die in Armut aufwuchsen, weitaus geringer: Er lag bundesweit lediglich bei 15,9 Prozent.

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, plädiert als Konsequenz aus den Armutszahlen für eine andere Verteilung der staatlichen Gelder: "Armut darf nicht in Chancenlosigkeit münden. Wo die Probleme größer sind, muss auch mehr Geld für gute Kitas und gezielte Förderung in Brennpunkten investiert werden. Gerade die frühkindliche Phase ist entscheidend für die Entwicklung eines Kindes."

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