Studie: Zu wenig Personal in den Kitas
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Zu große Gruppen, zu wenig Erzieherinnen: In vielen NRW-Kitas hat sich trotz des massiven Ausbaus der Plätze bei der Personalausstattung wenig getan. Experten glauben, dass so der Bildungsauftrag auf der Strecke bleibt. Das ist das Ergebnis einer Bertelsmann-Studie. 
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Seit zwölf Jahren wertet die Stiftung darin statistische Daten zu Gradmessern der Kita-Qualität aus – und die verbessert sich allenfalls im „Schneckentempo“, wie das Deutsche Kinderhilfswerk kritisierte.

78 Prozent der Kinder sind in einer Kita mit zu wenig Personal

Zum Stichtag der Erhebung 2019 besuchten demnach 78 Prozent der Kinder in NRW eine Einrichtung mit zu wenig Fachpersonal. So kümmert sich rein rechnerisch in Kindergartengruppen eine Erzieherin um 8,6 Kinder – ein Kind weniger als noch sechs Jahre zuvor. In den Krippengruppen kommt eine Fachkraft auf 3,7 Kinder, eine minimale Verschlechterung (2013: 1:3,6). Die Experten empfehlen Personalschlüssel von 1:3 in Krippen und 1:7,5 bei den Älteren.

Innerhalb Westfalens hängt die Kita-Qualität vom Wohnort laut Studie ab: Im Kreis Gütersloh liegt der Personalschlüssel in Kindergärten bei 1:8,3, in Krippen bei 1:3,8. Im Kreis Warendorf sieht es schlechter aus: In den Kindergärten kommen dort im Schnitt 9,2 Mädchen und Jungen auf eine Erzieherin, in den Krippen sind es 4,3 Kinder pro Erzieherin.

Bildungsauftrag gefährdet?

Unter den landesweiten Rahmenbedingungen sehen die Experten den Bildungsauftrag gefährdet. Im Vergleich der Bundesländer heißt das: Rechnerisch muss eine Fachkraft in NRW 1,7 Kindergartenkinder mehr betreuen als in Baden-Württemberg, dem Land mit der günstigsten Personalausstattung bundesweit.

Außerdem sind in NRW aus Sicht der Bertelsmann-Stiftung die Gruppen mit im Durchschnitt 23 Kindern pro Kindergartengruppe größer als in fast allen Ländern - mit ungünstigen Folgen für Lautstärke und Arbeitsbelastung. Nur Niedersachsen weist bei diesem punkt schlechtere Werte aus. Bei den Kleineren steht NRW mit zehn Krippenkindern pro Gruppe allerdings vergleichsweise gut da.

Minister sieht sich auf dem richtigen Weg

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) sieht trotz der Kritik von Verbänden, Gewerkschaften und Experten dennoch auf dem richtigen Weg. „Wir stellen der frühkindlichen Bildung endlich die Mittel für das Personal zur Verfügung, die sie braucht, um allen Kindern bestmögliche Chancen auf gute Bildung zu ermöglichen“, sagte er und verwies auf eine Milliarde Euro zusätzliche Mittel für die frühkindliche Bildung.

Wie Personalmangel wirkt, unterstreicht eine Studie, die die Bertelsmann-Stiftung aus Gütersloh flankierend zu den Daten des Ländermonitorings gemeinsam mit der Fernuniversität in Hagen veröffentlicht hat. Dafür wurden Gruppengespräche mit insgesamt 128 Kita-Mitarbeitern ausgewertet. 

„Mehr als Aufbewahren ist dann oft nicht drin“

„Dramatisch“, nennt die Leiterin des Lehrgebiets für empirische Bildungsforschung an der Fernuni, Julia Schütz, die Ergebnisse. „Viele Erzieherinnen schildern einen Spagat zwischen dem eigenen Anspruch und mangelnden Zeitressourcen. Wahnsinnig engagierte Fachkräfte treffen auf eine Situation, in der sie gar nicht professionell agieren können“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin. 

Laut werden im Stress oder unangebrachtes Schimpfen – von solchen Reaktionen berichteten überlastete Erzieherinnen. Über Regionen und Träger nannten sie ähnliche Probleme: unbesetzte Stellen; zu viele Tätigkeiten außerhalb der Gruppe, etwa in der Elternarbeit oder gar als Hausmeister-Ersatz; Gruppengrößen, bei denen sie gerade mal ihrer Aufsichtspflicht gerecht werden, aber wenig mehr. „Wie soll man Bildung ermöglichen, wenn man alleine 20 Kinder beaufsichtigen muss“, sagt Schütz. Sie ist sich sicher: „Mehr als Aufbewahren ist dann oft nicht drin.“

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