Tankstelle im Detmolder Freilichtmuseum
Bild: Bothe

Gebaut wurde die Tankstelle 1951 in Siegen-Niederschelden, im Freilichtmuseum Detmold wird sie im Zustand der 1960er-Jahre hergerichtet. Bauwesen-Leiter Dr. Hubertus Michels, Museumsdirektor Prof. Jan Carstensen und der wissenschaftliche Mitarbeiter Alexander Eggert (v. l.) ließen sich gestern von Kathrin Bödeker allerdings in einem VW Käfer Cabrio von 1978 vorfahren. Bis zur Eröffnung am kommenden Sonntag sind noch einige Arbeiten nötig – unter anderem wird eine Leuchtreklame montiert.

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„Die Tankstelle ist hier wie ein Ufo gelandet“, gab Museumsdirektor Prof. Jan Carstensen am Mittwoch beim Pressetermin zu. Auf einem Gelände, das von Fachwerk-Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert dominiert wird, wirkt die Service-Einrichtung für Autofahrer tatsächlich auf den ersten Blick deplatziert.

„Aber das wird sich ändern“, sagt Carstensen. Denn am östlichen Ende des Areals werden in den nächsten Jahren unter anderem Bauernhöfe aufgebaut, die zwar aus früheren Epochen stammen, zum Beispiel mit später eingebauten typischen Fenstern und Türen aber den Zustand der 60er-Jahre widerspiegeln.

Gebaut 1951, Zustand wie in 1960er-Jahren

Ähnlich verhält es sich mit der „Tanke“: Gebaut wurde der leicht wirkende Betonbau mit dem von drei Säulen getragenen Dach, Kassenraum, WC und Waschhalle 1951 in Siegen-Niederschelden. In Detmold wird sie so gezeigt, wie sie gut ein Jahrzehnt später ausgesehen hat, etwa mit den damals modernen Zapfsäulen. Die rot-blauen Tankeinrichtungen tragen das Logo des Wuppertaler Mineralölgroßhandels Homberg, der auch die Niederschelder Pächterfamilie Schütz belieferte. „Davon existieren nur noch vier Stück“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Alexander Eggert. Denn die Firma Homberg gibt es längst nicht mehr.

Schmuckstücke wie die Zapfsäulen, aber auch Original-Öldosen und authentische Einrichtungsgegenstände aus jener Zeit haben die Museumsmitarbeiter in aufwändiger Suche unter anderem über Sammler bekommen. Das Gebäude selbst war baufällig, stand aber unter Denkmalschutz. Da es im Museum originalgetreu wiederaufgebaut werden sollte, stimmte die Denkmalbehörde der Versetzung zu. Im Herbst 2010 war es soweit. „Das Gebäude wurde in sieben transportable Teile zerschnitten und hier wieder zusammengesetzt“, erinnert sich Dr. Hubertus Michels, Leiter des Museums-Referats Bauwesen.

Mit der Tankstelle wird aber nicht nur an die Architektur der Nachkriegszeit erinnert – sie ist auch ein Stück Sozialgeschichte. „Sie war damals ein Treffpunkt und ein Kommunikationsmittelpunkt in Niederschelden“, sagt Michels. Ein Grund dafür: Im Gegensatz zu den dunklen Straßen war sie abends mit Neonlicht hell beleuchtet. Und sie war angesichts der damals zunehmenden Automobilisierung ein „Zeichen für die neue Zeit“.

Eröffnungsfeiern an vier Sonntagen

Die Eröffnung der 1960er-Jahre-Tankstelle im Freilichtmuseum Detmold wird an gleich vier Sonntagen stilecht gefeiert. Am 14., 21. und 28. Juli sowie am 4. August wird im entstehenden „Siegerländer Dorf“ jeweils ab 12 Uhr ein Sommerprogramm mit Musik von Bill Haley bis zu den Beatles, geboten. Zu sehen sind jeweils auch Oldtimer aus den 1950er- und 1960er-Jahren.

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