Theaterreihe entführt in „Parallele Welten“
Bild: Meier
„Die Insel“ heißt das am Wochenende uraufgeführte Stück, mit dem im Bielefelder Theater am Alten Markt die Projektreihe „Parallele Welten“ eröffnet wurde. Darsteller (Szenenfoto) sind Jugendliche mit und ohne Migrationsgeschichte.
Bild: Meier

Die Handlung ist im Internet-Chatroom „Die Insel“ verortet, der grenzenlose Kommunikation und Toleranz verspricht. Unter ihren Nicknames wie Koi-Karpfen oder Mirror of Soul tauschen sich hier junge Leute aus. Alle fühlen sich dazugehörig. Alle sind gut drauf. Nur eine Stimme stört das muntere Geplänkel. „Anonymous“, offenbar eine in Deutschland lebende junge Muslima, berichtet im Chat von ihren Schwierigkeiten, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden. Einerseits möchte sie gern am modernen Leben teilhaben, andererseits fühlt sie sich den Traditionen ihrer Heimatkultur verpflichtet. Der Konflikt zerreißt sie förmlich.

Die Community ist erst irritiert, dann zunehmend verärgert, dass jemand für schlechte Stimmung im harmonischen Chat sorgt. Als Anonymous jedoch ihren Selbstmord ankündigt, versuchen die anderen zu helfen. So kommen die Jugendlichen auch ins Nachdenken über ihre eigene Herkunft und diskutieren, wie sie Deutschland sehen und wie es sich anfühlt, zwischen zwei Welten aufzuwachsen.

Stück in Schreibwerkstatt erarbeiter

„Die Insel“ ist das erste Projekt in der Reihe „Parallele Welten“, mit der das Theater den Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen fördern möchte. In einer Schreibwerkstatt unter Leitung des in Bielefeld geborenen Autors Nuran David Calis hat die Gruppe das Stück erarbeitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Jugendlichen präsentieren unterhaltsame und differenzierte Texte über die Suche nach der eigenen Identität und den Umgang mit Vorurteilen auf beiden Seiten. Gleichzeitig werden auch die Möglichkeiten und Risiken des Internets deutlich.

Tempramentvolles Spiel beeindruckt

Gesangseinlagen und Tanzchoreografien sorgen für Abwechslung. Eine Rockband, die ebenfalls aus Jugendlichen besteht, begleitet das Geschehen. Das temperamentvolle Spiel beeindruckt: Canip Gündogdu (Regie) und Ramona Kozma (Musikalische Leitung) haben viel herausgeholt aus den jungen Laiendarstellern, denen man den Spaß auf der Bühne anmerkt. Dass die ein oder andere Szene zu gekünstelt daherkommt oder sich hier und da mal Versprecher einschleichen, kann den guten Gesamteindruck nicht trüben.

Tobias Schneider

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