„Thüringeti“ kauft Alt-Hengst Fiano
Bild: Hartwig
Von der Deckstelle Bielefeld des NRW-Landgestüts wechselte der Prämienhengst Fiano in das Naturschutzprojekt „Thüringeti“ bei Crawinkel im Thüringer Wald.
Bild: Hartwig

Böse Zungen sprechen sogar davon, dass der Warendorfer Landbeschäler in der „Thüringeti“ Wölfen zum Fraß vorgesetzt wird. In der 1500-Seelen-Gemeinde Crawinkel im Thüringer Wald soll Fiano künftig mit 600 weiteren Pferden ganzjährig unter freiem Himmel leben.

Der bei der Züchterfamilie Schulte-Böker (Geilenkirchen) geborene Fidermark-Sohn Fiano aus einer Frühlingsball-Fidelio-Mutter war 2001 Prämienhengst der NRW-Hauptkörung und im Folgejahr Sieger des 70-Tage-Tests in Warendorf geworden. Fianos Nachkommen können Platzierungen bis zur Klasse S in Dressur und Springen aufweisen.In der „Thüringeti“ trifft Fiano auf einen alten Bekannten, den Florestan-I-Sohn Forrest Gump, der einst als Pachthengst in Warendorf stand. Er ist in Crawinkel bereits seit dem vergangenen Jahr im Deckeinsatz.

Auch wenn viele der Landbeschäler des NRW-Landgestüts in Warendorf zu den besten Vererbern in Europa zählen, so ist die Nutzungsrate durch die Züchter doch unterschiedlich. Waren in früheren Zeiten gerade ältere Hengste, über die durch ihre Nachzucht schon viele Informationen vorlagen, sehr begehrt, so hat sich das in den vergangenen 20 Jahren radikal verändert. Bevorzugt werden heute Junghengste in ihrer ersten und zweiten Deckperiode. Der Grund: Die Marketing-Aktivitäten um diese Junghengste, die teilweise für horrende Summe auf den Körungen gekauft werden, veranlassen immer mehr Züchter, gerade diese Hengste zu nutzen, weil sie sich davon bessere Vermarktungschancen ihrer Fohlen versprechen. Ältere Hengste haben deshalb immer weniger zu tun. Bringt ein Hengst aber keine Deckgebühren mehr ein und kann er altersbedingt auch nicht bei Veranstaltungen eingesetzt werden, produziert er nur noch Kosten.

Dies gilt auch für das aus öffentlichen Mitteln finanzierte NRW-Landgestüt in Warendorf. Dessen Leiterin Kristina Ankerhold hat inzwischen eine Liste mit Alt-Hengsten des Gestüts erarbeitet, die nun zum Verkauf angeboten werden.

Anfang Oktober findet in der „Thüringeti“ die nächste Versteigerung statt. Dann sollen 75 Pferde aufgerufen werden.

In dem Naturschutzprojekt „Thüringeti“, dessen Namen bewusst Parallelen zum afrikanischen Nationalpark Serengeti aufweisen soll, leben in Crawinkel (Landkreis Gotha) im Thüringer Wald 600 Pferde und 300 Mutterkühe mit ihrem Nachwuchs ganzjährig unter freiem Himmel. Die Agrar GmbH Crawinkel hat auf dem 2300 Hektar großen Gelände einer ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) das Projekt „Thürengeti“ verwirklicht.

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