Unwetter und Auswirkungen haben NRW im Griff
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Das Unwetter vom späten Montagabend hat auf zahlreichen Bahnstrecken für Probleme gesorgt.
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„Eine Entwarnung gibt es nicht“, sagte Meteorologin Maria Hafenrichter vom Deutschen

In Düsseldorf wütete das Unwetter am heftigsten.
Wetterdienst am Dienstagmorgen. In weiten Teilen von NRW seien bei Temperaturen um 30 Grad bis zum Mittwochmorgen immer wieder heftige Gewitter mit Orkanböen, heftigem Regen und Hagel möglich.  

Wie schon am Montag kommen die Unwetter dabei aus dem Südwesten, erreichen zunächst den Aachener Raum, ziehen über Niederrhein und Ruhrgebiet weiter bis ins Münsterland. Wo die Intensität am höchsten ist, lässt sich nach Angaben der Meteorologin nicht vorhersagen. Warnungen vor schwerem Gewitter galten am Dienstagmorgen für alle Landesteile.

Die Region

Am Montagabend ab etwa 21 Uhr kam es zu heftigen Gewittern mit Starkregen und Sturmböen in den Kreisen Warendorf und Gütersloh. Schwere Schäden gab es den Angaben von Polizei und Feuerwehr zufolge nicht.

In beiden Kreisen stürzten Bäume um, zum Teil kam es zu Stromausfällen. Personen wurden nicht verletzt.

Schwere traf es Münster. Dort rückte die Feuerwehr in der Nacht zu 363 Einsätzen aus und auch am Dienstagmorgen waren die Auswirkungen des Sturms auf den Straßen noch deutlich zu sehen: Zweige und Äste zeugten von den Orkanböen.
Die Promenade wurde zum Teil gesperrt, weil es aufgrund herabfallender Äste zu gefährlich war, sie mit dem Fahrrad zu befahren.

Kreis Gütersloh

Insgesamt mussten die Rettungskräfte und die Polizei des Kreises Gütersloh bis 1 Uhr zusammen mehr als 60 Einsätze wegen des Gewitters leisten. Außer einer Vielzahl von umgestürzten Bäumen und herabfallende Ästen lösten auch einige Alarmanlagen auf Grund des Gewitters aus und mehrere Bauzäune wurden umgeweht. Im Vergleich mit den Folgen des Gewitters im Rheinland sei der Kreis Gütersloh aus polizeilicher Sicht in dieser Nacht jedoch „glimpflich davon gekommen“.

Ahlen: Baum stürzt auf Pkw

Auch im Kreis Warendorf blockierten Äste und umgeknickte Bäume mehrere Fahrbahnen. Zudem wurden nach Angaben der Polizei einige Autos zum Teil schwer beschädigt. Zahlreiche Straßen hätten kurzeitig gesperrt werden müssen, damit die Einsatzkräfte die Sturmschäden beseitigen konnten.

In Ahlen wurden zwei Personen leicht verletzt, als ein großer Baum in der Hellstraße auf einen mit vier Insassen besetzten Pkw stürzte. Der Wagen wurde vollkommen zerstört. Die beiden Verletzten wurden mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht, konnten jedoch nach ambulanter Behandlung wieder entlassen werden.

Hochspannungsleitung beschädigt

In Beckum bleibt die Lippborger Straße und in Telgte ist die Einener Straße wegen umgestürzter Bäume vorerst gesperrt. Die Landstraße 671 von Walstedde nach Herbern ist ab dem Bahnhof Mersch bis zur Kreisstraße 21 ebenfalls gesperrt, dort ist ein Baum in eine Hochspannungsleitung gestürzt.

Die Feuerwehren im Kreis Warendorf zählten bis gegen 1 Uhr etwa 150 Einsätze, die Polizei 34. Alle Löschzüge der Feuerwehren und Hilfsorganisationen mit 453 Einsatzkräften im Kreis Warendorf seien alarmiert gewesen. 

Schwerstes Unwetter seit Jahren

Das Unwetter war nach Einschätzung eines Wetterexperten eines der stärksten seit Jahren in dem bevölkerungsreichsten Bundesland. „Eine komplette Gewitterlinie ist über Nordrhein-Westfalen gezogen und jeder hat etwas mitbekommen", sagte Meteorologe Lars Dahlstrom von der Meteogroup Unwetterzentrale in Bochum. Die Schwere des sommerlichen Unwetters mit Starkregen und Hagel, das wie eine Walze über das Bundesland rollte, machte er vor allem an den hohen Windgeschwindigkeiten fest.

Hagel und Schlammlawine 

Im Sauerland gab es am Montagnachmittag in einigen Orten heftige Niederschläge. So schlug in Warstein binnen Minuten das heiße Wetter plötzlich in Hagel um. Die Hagelkörner hatten dabei nach einem Augenzeugenbericht eine Größe von bis zu einem Zwei-Euro-Münzstück. In Brilon fiel Starkregen. "Es war kurz und heftig", sagte ein Polizeisprecher. Im Ortsteil Brilon-Messinghausen ergoss sich nach dem starken Regen am späten Montagnachmittag eine Schlammlawine auf eine Straße. Verletzt wurde dabei glücklicherweise niemand.

Die Unwetterzentrale wies für NRW am Montagabend einen breiten streifen an Kreisen von Dortmund über Bielefeld bis zur Landesgrenze nach Niedersachsen mit der Warnstufe violett aus. Das bedeutet, es waren Schwergewitter mit Starkregen, großen Hagelkörnern und Orkanböen möglich. Die Warnung galt zunächst bis 23.15 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Gewitter am Verlagssitz Oelde allerdings noch nicht ganz verzogen. Die Unwetterwarnung galt daraufhin auch weiterhin.

Wind mit Orkanstärke

Am Düsseldorfer Flughafen seien 145 Stundenkilometer gemessen worden, in Neuss 133 und in Castrop-Rauxel 124 Stundenkilometer. "Das sind alles Orkanstärken", betonte er. An zehn Stationen in NRW habe die Windgeschwindigkeit bei über 100 Kilometern pro Stunde gelegen. "Im Sommer reichen schon 90 km/h, um Bäume umzuknicken, weil sie viel Laub tragen", erläuterte der Meteorologe.

Die Gewitter seien relativ schnell weitergezogen. Dennoch sei örtlich auch viel Regen gefallen. In Bochum-Weitmar seien es rund 40 Liter in nur einer Stunde gewesen. Regen von mehr als 30 Litern je Stunde könne die Kanalisation meist nicht fassen. Viele Blitze bedeuteten zudem eine große Gefährdung.

Baum begräbt Gartenhaus unter sich

In Düsseldorf stürzte eine große Pappel auf ein Gartenhaus, in dem mehrere Menschen Zuflucht vor dem Unwetter gesucht hatte. Allein bei diesem tragischen Unglück verloren drei Menschen ihr Leben. Das bestätigte ein Feuerwehrsprecher der Nachrichtenagentur dpa in der Nacht zum Dienstag. Feuerwehrleute konnten aus den Trümmern des Gartenhauses neben den Toten noch zwei Schwerverletzte und einen Leichtverletzten retten.

Auch in Krefeld kam ein Mann ums Leben. Ein Radfahrer sei dort von einem umstürzenden Baum erschlagen worden, teilte die Polizei am Dienstagmorgen mit. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf mindestens sechs.

In Köln wurde am Montagabend ein Mann von einem Baum erschlagen, wie die Polizei mitteilte. Vermutlich durch einen Blitzeinschlag sei ein etwa 20 Meter hohe Baum in der Mitte durchgebrochen. Die Buche stürzte auf die Fahrbahn und traf den Radfahrer. Dabei erlitt der etwa 50-jährige Mann schwerste Verletzungen. Er starb noch an der Unfallstelle.

Mann stirbt bei Aufräumarbeiten

In Essen starb ein Mann vermutlich bei Aufräumarbeiten. Er hatte nach ersten Informationen der Polizei kurz vor Mitternacht versucht, im Stadtteil Kray die Fahrbahn zu räumen. Zur genauen Todesursache konnten die Ermittler allerdings noch nichts sagen.

Verkehrschaos bis mindestens Dienstagabend

Die Deutsche Bahn unterbrach am Montagabend ihren Zugverkehr im Rheinland vorsorglich. In den Bereichen Köln, Aachen, Düren, Bonn, Düsseldorf und Duisburg wurden Züge nach Angaben eines Sprechers an Bahnhöfen zurückgehalten.

Wegen zahlreicher beschädigter Oberleitungen fiel der Straßenbahnbetrieb in Essen und Düsseldorf komplett aus. Busse und U-Bahnen fuhren laut der Düsseldorfer Rheinbahn und der Essener EVAG nur eingeschränkt. Im Regional- und S-Bahnverkehr sind noch folgende Strecken gesperrt: Köln–Düsseldorf, Köln–Neuss, Neuss–Mönchengladbach, Mönchengladbach–Viersen, Viersen–Krefeld–Duisburg, Düsseldorf–Wuppertal Vohwinkel, Düsseldorf–Solingen, Düsseldorf–Neuss, Essen–Gelsenkirchen, Essen–Bottrop, Essen–Düsseldorf, Münster–Osnabrück, Münster–Recklinghausen–Essen, Duisburg–Düsseldorf, Duisburg–Essen–Dortmund, Lünen–Münster, Dortmund–Herne–Wanne-Eickel, Unna–Soest, Kaldenkirchen–Venlo und Großraum Oberhausen–Mathilde. Außer dem Regionalverkehr ist auch der Fernverkehr von den Auswirkungen betroffen. IC- und ICE-Verbindungen durch das Ruhrgebiet enden vorzeitig in Hamm, Köln und Münster.

Ab sofort ist eine kostenlose Servicenummer zu den Auswirkungen des Unwetters auf den Bahnverkehr geschaltet: Unter 0800/0996633  erhalten Fahrgäste aktuelle Informationen rund um die Uhr.

300 Kilometer Stau

Auf den Autobahnen in NRW meldete der Westdeutsche Rundfunk am Dienstagmorgen insgesamt etwa 300 Kilometer Stau. Zum Teil gesperrt waren laut Straßen.NRW die A 52 bei Essen in Richtung Düsseldorf, die A 40 bei Mülheim in Richtung Dortmund, die A 43 am Kreuz Recklinghausen in Richtung Wuppertal und die A 2 am Kreuz Dortmund-Nordwest in Richtung Oberhausen. Grund für die Sperrungen seien vor allem umgestürzte Bäume. Auch die A 3 bei Ratingen war in Richtung Köln nur eingeschränkt befahrbar. Im sauerländischen Brilon wurde bereits in der Nacht wegen einer Schlammlawine die L 870 gesperrt. Flughafen stellt eine Stunde Betrieb ein

Am Airport Düsseldorf war der Flugverkehr von dem Unwetter eine Stunde lang lahmgelegt. Der Flughafen der Landeshauptstadt stellte seinen Flugbetrieb von 21 bis 22 Uhr wegen Sturmböen ein, wie ein Airport-Sprecher schilderte.

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