Urteil gegen Arzus Vater fällt Montag 
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Vor ihm hatte Arzu Ö. Angst: Ihr Vater Fendi soll fünf seiner Kinder angestiftet haben, Arzu zu entführen und zu ermorden.
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Die Anklage wirft dem 53 Jahre alten Fendi Ö. vor, er habe seine fünf erwachsenen Kinder im November 2011 zu einem sogenannten Ehrenmord angestiftet.

Zeugen: Arzu hatte Angst vor Familie

Zeugen beschrieben am dritten Verhandlungstag, dass die 18 Jahre alte Arzu Angst vor ihrer Familie hatte. Arzu war überfallen und später auch noch vor der versammelten Familie verprügelt worden, als ihre geheim gehaltene Beziehung zu einem deutschen Bäckergesellen herauskam. Daraufhin zeigte sie Vater und einen Bruder an und floh in ein Frauenhaus.

Eine Zeugin, die mit Arzu im Frauenhaus war, erzählte von der Überraschung Arzus über die harte Reaktion der jesidischen Familie auf die unerwünschte Beziehung zu einem Nicht-Jesiden. „Wenn ich nach Hause gehe, bringt mich mein Vater um“, habe Arzu gesagt. Der Vater sei der „liebste Papa“ der Welt gewesen, bis die Beziehung zu dem Bäckergesellen Alex aufgeflogen sei - als wenn man einen Schalter umgelegt hätte, habe Arzu erzählt.

Zwangsverheiratung war arrangiert

Arzus damalige Anwältin schilderte, wie die 18-Jährige von einer bevorstehenden Zwangsverheiratung in der Türkei erzählt habe, die der Vater arrangiert habe. Der Flug sei schon gebucht. Wenn sie sich weigern sollte, würden die Brüder sie umbringen. Ein jesidischer Geistlicher versicherte, Fendi Ö. sei sehr traurig gewesen über das Verhalten Arzus. Er habe es bereut, sie geschlagen zu haben. Und er sei gebeten worden, Arzu zurückzuholen. Hintergrund war die bei strenggläubigen Jesiden verbotene Beziehung Arzus zu dem Nicht-Jesiden.

Die vier Brüder und eine Schwester wurden 2012 zu Haftstrafen verurteilt. Fendi Ö. hatte in einer Erklärung zwar bestätigt, dass es keine Heirat mit einem Nicht-Jesiden geben dürfe. Er bestreitet aber die Anstiftung zum Mord. Arzu sei aus der Familie ausgeschlossen worden. Damit sei für ihn die Sache erledigt gewesen.

Nach Ansicht von Prozessbeobachtern ist eine Verurteilung wegen Anstiftung zum Mord eher unwahrscheinlich. Das Gericht hatte angemerkt, dass auch eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord durch Unterlassen rechtlich denkbar wäre. Zum Prozessauftakt hatte Fendi Ö. zugegeben, seine Tochter geschlagen zu haben. Darum ist er auch wegen Körperverletzung angeklagt.

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