Westfalen: Mehr Ärzte in weniger Kliniken
Eine Ärztin hält ihr Stethoskop in der Hand.

Einer Erhebung des statistischen Landesamtes zufolge haben im vergangenen Jahr in Westfalen 14 967 Ärzte an 204 Kliniken gearbeitet. Zehn Jahre zuvor waren es 12 570 Ärzte in 237 Krankenhäusern. In der Region ist die Entwicklung ähnlich verlaufen. Im Kreis Gütersloh gibt es nach Krankenhausschließungen wie der in Versmold mit jetzt vier Kliniken sogar nur noch halb so viele wie im Jahr 2000. Ein großer Teil der Patienten muss seitdem zur Behandlung die Kreisgrenze überschreiten. Die Zahl der Krankenhausärzte ist dennoch auch im Kreis Gütersloh leicht auf 302 gestiegen. Jene der Krankenhausbetten sank im gleichen Zeitraum um 27,9 Prozent, was bedeutet, dass die verbliebenen Kliniken deutlich gewachsen sind. Im Kreis Warendorf gibt es unverändert sechs Kliniken. Etwa jedes zehnte Krankenhausbett ist seit dem Jahr 2000 abgebaut worden. Um 26,7 Prozent ist gleichzeitig die Zahl der Krankenhausärzte im Kreis Warendorf auf 313 erhöht worden. Nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft NRW ist die gesamte Entwicklung unter anderem auf den zunehmenden wirtschaftlichen Druck auf Kliniken zurückzuführen. Dieser führe vermehrt zu Standortzusammenlegungen oder Schließungen. In ganz Westfalen wurden im Jahr 2010 mehr als zwei Millionen Patienten im Krankenhaus behandelt - 8,4 Prozent mehr als noch 2010.

Verweildauer sinkt deutlich

Parallel zum Landestrend sich hat sich in der Region die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus um etwa ein Fünftel verringert. Patienten im Kreis Gütersloh wurden im Jahr 2010 im Schnitt nach 8,8 Tagen entlassen, im Kreis Warendorf nach 8,7 Tagen. Zehn Jahre zuvor lagen Patienten in beiden Kreisen im Schnitt noch elf Tage im Krankenhaus. „Diese Entwicklung resultiert in erster Linie aus dem medizinisch-technischen Fortschritt“, sagt Lothar Kratz von der Krankenhausgesellschaft NRW. Die häufig vorgetragene Kritik, dass Patienten aus Kostengründen zu früh entlassen würden, sei ungerechtfertigt. „In den Krankenhäusern gibt es gesetzlich vorgeschriebene Qualitätssicherungsverfahren, die eine voreilige Entlassung verhindern“, erläutert Kratz.

Ärztekammer warnt unbeirrt vor Mangel

Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, hält die Zahlen jedoch für Augenwischerei. Statt der Ärzte müssen man die geleisteten Arbeitsstunden zählen, fordert er in einer schriftlichen Reaktion auf die Veröffentlichung der Zahlen. Denn immer mehr Ärzte arbeiteten in Teilzeit; unter den Ärztinnen sei es bereits jede Vierte. Trotz der höheren Beschäftigungszahlen fehlten deswegen „in Westfalen-Lippe zurzeit rund 600 Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern“.

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