Westfalen hat viele Mittelpunkte
Irgendwo zwischen Beckum und Lippetal liegt die Mitte Westfalens – zu diesem Ergebnis kommt Dr. Rudolf Grothues von der Geographischen Kommission für Westfalen. Nur einmal stieß er auf einen Punkt in Welver.

Schließlich wollte er es selbst wissen. Der Geograph, der auch Stellvertretender Bürgermeister von Beckum ist, nahm verschiedene Karten von Westfalen zur Hand. Doch es stellte sich heraus: Der Mittelpunkt ist gar nicht so leicht zu finden. „Ich kam – als Beckumer – zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis“, erklärte Grothues. „Den einen Mittelpunkt gibt es nicht. Ich habe verschiedene Punkte ermittelt. Sie lagen immer irgendwo auf der Grenze – zwischen Beckum und Lippetal.“

Keine exakte Ur-Karte

Ein Grund dafür sei: Die verschiedenen Karten Westfalens weisen kleine, aber feine Unterschiede auf. „Jede Karte ist einmal von jemandem gezeichnet worden“, erklärt der Diplom-Geograph. „Dabei haben sich immer auch kleine Ungenauigkeiten eingeschlichen“, sagt der Experte. „Und jede Karte ist auf der Grundlage einer älteren Karte entstanden. Es gibt keine Ur-Karte der Region, die völlig exakt ist.“

Zum anderen gibt es nicht nur eine Methode, den Mittelpunkt zu bestimmen. „Üblicherweise ist es der Schwerpunkt einer Fläche, unter der man den Mittelpunkt versteht“, sagt er. „Dazu müsste man eine Karte ausschneiden und sie auf einem Punkt balancieren. Dort, wo sie nicht herunterfällt, ist der Schwerpunkt.“ Dieses Experiment ist inzwischen mit Hilfe digitaler Zeichenprogramme möglich.

Für weitere Methoden der Mittelpunktsbestimmung griff Grothues in die Kiste der Geometrie: Mithilfe der Grenzpunkte konstruierte er einen Kreis um die Region und bestimmte dessen Mittelpunkt.

Welver stellt Gedenkstein auf

Nur eine Methode führte den Geographen dabei nicht zur Grenze zwischen Beckum und Lippetal. Der Mittelpunkt eines Rechtecks, das die Region umschließt, liegt in Welver. Dort wurde vor einigen Wochen kurzerhand ein Gedenkstein aufgestellt, der den Mittelpunkt Westfalens markieren soll. Doch Rudolf Grothues ist da eher zurückhaltend. „Ich traue mich nicht zu sagen, wo der wirkliche Mittelpunkt liegt.“

SOCIAL BOOKMARKS