Widersprüche beim Blick in westfälische Zukunft
Welche Zukunfsperspektiven hat Westfalen? Die Ergebnisse der Studie haben am Dienstag (v. l.) Dr. Karl-Heinrich Sümmermann (Westfalen-Initiative), Dr. Reiner Klingholz und Susanne Dähner (beide Berlin-Institut) und LWL-Direktor Matthias Löb in Berlin präsentiert.

Die von der Westfalen-Initiative und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) geförderte Studie ist am Dienstag im Raum „Westfalen“ in der NRW-Vertretung in Berlin vorgestellt worden. Westfalen gilt demnach als die Region, in der sich die vielfältigen Herausforderungen, die der demografische Wandel deutschlandweit stellt, auf engem Raum begegnen. Während das Münsterland mit seiner Universitätsstadt im Zentrum rasant wächst und junge Menschen anzieht, sind gleich nebenan, im westfälischen Ruhrgebiet, die Bewohner im Schnitt deutlich älter.

Dörfer werden immer leerer

Und während die dortigen Großstädte noch immer mit einer hohen Arbeitslosenzahl zu kämpfen haben, gehen vielen Betrieben im ländlich geprägten Südwestfalen und in OWL die Arbeitskräfte aus. Trotz guter Jobangebote ziehen junge Bewohner in die urbanen Zentren. Die Folge: Dörfer werden leerer. „In Westfalen sehen wir, dass wirtschaftlich erfolgreiche Regionen mit guten Arbeitsmöglichkeiten nicht automatisch auch junge Menschen halten oder gewinnen können“, sagte Dr. Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts.

Die Annahme, es müsste nur genug Arbeitsplätze geben, dann könnte die Landflucht gestoppt werden, bestätigt sich in manchen Gebieten Westfalens nicht. Die klein- und mittelständischen Betriebe Westfalens stehen nach Ansicht von Susanne Dähner, eine der Autorinnen der Studie, sogar vor einem doppelten Problem. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer und damit ein Großteil ihrer Belegschaft gehen demnächst in Rente, während die Jahrgänge mit dem potenziellen Nachwuchs dünner besetzt sind. Um diese Lücke zu schließen, seien Ideen gefragt, sagte Dähner.

Keine flächendeckende Versorgung mehr gewährleistet

So müssten die vor Ort noch schlummernden Arbeitskräftepotenziale besser genutzt werden. Das könnten Frauen sein, die bislang aufgrund familiärer Aufgaben kaum beruflich tätig sind, oder ältere Arbeitnehmer, deren Kompetenzen mit gezielten Weiterbildungen auch jenseits der 50 möglichst lange im Betrieb gehalten werden. Manche Unternehmen holen IT-Experten täglich mit einem Bus aus der Großstadt ab und fahren sie zum ländlichen Firmensitz. Andere, locken Auszubildende aus Spanien mit attraktiven Arbeitsbedingungen ins Münsterland.

Wo die Jungen wegziehen und vor allem Ältere zurückbleiben, verschwinden Versorgungsangebote, was die Lebensqualität in den Dörfern sinken lässt. Die Studie des Berlin-Instituts zeigt an Beispielen auf, wie sich das verhindern lässt. „In den drei westfälischen Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold und Münster werden schon an vielen Orten innovative Konzepte erprobt, wie das Landleben auch bei schwindender Versorgung gut funktionieren kann“, sagte Susanne Dähner.

Kreative Ansätze auf die gesamte Region ummüntzen

So beliefert ein regionaler Online-Händler Menschen aus Siegen und Umgebung mit Lebensmitteln und sonstigen Waren aus dem Sortiment lokaler Einzelhändler. Eine Dorfinitiative erprobt ein Car-Sharing-Modell, bei dem Bewohner die Kleinbusse selbst fahren oder mit ehrenamtlichem Fahrer mieten können. „Die Studie zeigt, dass Westfalen insgesamt aus starken Städten und Gemeinden besteht, die aber vor denselben Herausforderungen für die Zukunft stehen“, erklärte LWL-Direktor Matthias Löb. Daraus könnten sich Ansätze ergeben, wie man sich mit Partnern über Lösungen austauschen kann.

„Wichtig wird nun sein, auf der Basis der vorliegenden Studie einen möglichst westfalenweiten Erfahrungsaustausch zu initiieren und innovative Problemlösungen in Modellprojekten auf den Weg zu bringen. Die Westfalen-Initiative wird sich daran aktiv beteiligen“, richtete Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, den Blick in die Zukunft.

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